Gedicht und/oder Geschichte

Foto von Paul Bulai auf Unsplash — Habe es nur kurz bearbeitet. 

 

Da sitzt ein Etwas in der Brust,
gespeist vom Kopf, der viel gewusst.

Das farblose Flämmchen wusste nie, woher es kam
und fühlte doch: die tiefe Scham;
mal war es schwarz, mal farbenarm;
mal klassisch rot, immer einsam.

Es fühlte nur die Seltenheit:
Dass es nur eins aus tausend;
doch fühlt es auch, dass seine Chance,
es gut zu machen, wieder auch:
nur eins zu tausend.

Doch was ihm seinen Anker gab —
es sich festsetzen ließ’, tief in der Brust.
Das ist, was es sich immer fragt;
dem es sich immer mehr bewusst.


Das farblose Flämmchen spricht mit seinem Kopf,
ganz in Gedanken, unterhalten sich die beiden.

Mal sind sie eins — mal weit entfernt,
mal scheinen sie sich kaum zu kennen,
um doch… dann aneinander…
fast noch… sich zu verbrennen.


Weißt du…, lieber Kopf,
was gar nicht schön ist?

Es ist nicht schön, wenn du… bei denen,
denen du so offen noch begegnest;
du merkst, wie sie Empfinden überkommt,
dem du doch selbst noch oft begegnest.

Eine Angst, die daher kommt, dass sie dich sehen.
Nicht verstehen, dass es ein Teil von dir auch ist.

Eine Angst, ein seelisches Empfinden —
und ich, die Ähnliches empfunden,
frag’ mich: Was hat es zu bedeuten?

Und ich, die Ähnliches empfunden,
ich fühl’ mich schuldig,
wenn sie sich fragen: Was hat es zu bedeuten?

Und ich, die Ähnliches empfunden,
ich — … ich fühl mich schuldig,
frag’ mich: Was hat es zu bedeuten?


Eine Angst, die du in ihnen nicht verstehst,
weil sie doch Stilbegriff von dir noch ist.
Denn die Zeichen standen immer auf:
Nein, mein kleiner Freund, das reicht uns nicht.


Und ich — ich kenn’ die Angst… doch viel zu gut —
war sie sogar auch noch ein Grund,
dass ich mich einst so tief zurück-
ja mich sogar… einst ganz entzog.

Ich, mein lieber Kopf, zog mich zurück;
ich, mein Kopf, zog mich zurück,
verbarg mich tief… in deiner Brust;
weil es da draußen doch nicht sicher schien —
hab’s anders ja… auch nicht gewusst.

Doch damals, lieber Kopf, da wusstest du das nicht,
dass es vielleicht doch anders ist.
Dass es da tief in deiner Brust,
zu einsam ist.
Hab’s nicht gewusst!
… Die Zeichen standen auf: Du reichst uns nicht.

Man hat es ja nicht kommen sehen.
Sah’ nur eine um die and’re geh’n.
So hast du nicht die Scham verstanden,
die du auch nie auslösen wollt’st;
weil es ja gar unmöglich schien,
dass du es auch nur können sollt’st.

Nur nach und nach —
du fühlst es erst —
macht sich in dir Verstehen breit.
Viel zu spät und viel zu ernst,
weißt du: du bist … noch nicht soweit.

Nur nach und nach —
du fühlst es erst —
macht sich in dir Verstehen breit.
Viel zu spät und viel zu ernst,
merkst du: dafür… bist du noch nicht bereit.

Vielleicht niemals. Wahrscheinlich nicht.
Die Zeichen stehen auf: Es reicht uns nicht.

Nein, mein kleiner Freund, es reicht uns nicht.


Und die, denen es offen noch begegnet,
fragt das Flämmchen, warum es regnet?

Warum sie es verzweifeln lassen?
Warum sie erst die Flammen lodern —
… und dann — dann folgen Wassermassen.

Das Flämmchen fühlt sich wieder schuldig,
weiß’ doch, dass es die eig’ne Schuld ist.
Deswegen reißt’s sich jetzt zusammen —
und dann, dann folgen Wassermassen —
ansonsten würd’s… will doch nicht hassen.

Doch das Flämmchen fragt sich auch:
Wie soll’s besteh’n,
ohne ganz im Regen zu vergeh’n?

Es kämpft und kämpft —
die Verzweiflung naht,
ein letztes Flackern ist noch da —
so denkt’s dann, dass es sterben muss…
und wieder folgt ein Regenguss.

Dann denkt es, es wäre endlich jetzt geschafft:
Erleichterung — ein für alle mal befreit von seiner Last.
Und doch: Es kann nicht anders…
schnappt nach Luft…
es will ja nicht… und doch, es muss
und wiedermal… es folgt ein Kuss.


Der Tanz beginnt von Neuem:
Die Hoffnung, dass man es irgendwann
dann doch noch akzeptiert:
den Kopf, die Flamme — das vermaledeite Hirn.


Und die, denen es offen noch begegnet;
fragt das Flämmchen,
warum es jetzt schon wieder regnet?

Und die, denen es offen noch begegnet;
fragt das Flämmchen,
warum es jetzt schon wieder regnet?


Weißt du was, mein lieber Kopf?
Es ist nicht schön, wenn du ein wenig von dir preisgibst
und man sie dann zurückschreckend fand,
als hätten sie sich schon verbrannt,
bevor du überhaupt von dir was preisgibst.

Es schmerzt, mein lieber Kopf…
Die Zeichen stehen auf: Es reicht nicht.


Es wird nicht besser, sondern schlimmer.
Denn sie vergessen immer mehr,
und du, mein Kopf, du wirst noch schlimmer;
verbrennst, verbrennst… verbrennst noch mehr.


Sie sind dann fasziniert…
von dem, was du dabei noch leisten kannst —
zu nahe kommen, wollen sie auch nicht,
weil man für einen von uns,
tausend von dir scheiternd fand.

Und ich… ich fühl’ mich schuldig.
Dafür, dass ich da bin.
Und ich… ich fühl’ mich schuldig.
Dafür, dass ich unnahbar bin.

Dafür, dass ich scheitern könnt’.
Und dafür, dass ich’s niemals konnt.
War nie genug und doch zu viel.
Sie hatten Angst — es war zu viel.

Nicht, weil ich’s … ich es nicht wollen würd’,
nicht, weil mich niemand wollen würd’
und doch weil man es spürt’,
dass dieses Flämmchen noch gefährlich wird.

So kann man’s ihnen auch nicht verübeln.
Denn die Chancen stehen schlecht.
Wofür? … Ja, dafür, dass ich wahr bin.
Und ich frag’ mich: Bin ich nicht echt?


Ach, lieber Kopf, warum reden wir?

Ach, lieber Kopf, warum reden wir
schon wieder so als wär’n wir eins?

Ich wollt’ doch nur…
wollt’ nur verstehen,… ja was ich bin;
Ich wollt’ doch nur…
wollt’ nur verstehen,… ja was ich bin;
Wollt’ verstehen, wie es nun kam,
dass ich aus dir in meine Brust gewandert bin.

Da sitz’ ich nun — ins Herz verbannt
und meld’ mich ab. Und ab und an.
Und meld’ mich ab. … Und ab und an.


Wie ist es, wenn ich schwarz bin?
Dann sind wir eins,
dann geb’ ich Kraft,
dann weißt du, dass ich da bin:

Dann sind wir eins,
dann geb’ ich Kraft,
dann weißt du, dass ich wahr bin;
und weißt doch nicht, wozu ich da bin.

Denn, wenn ich fall’, dann fall’ ich weit.
Ich lauf’ und deut’ zu der Gefahr hin.
Denn, wenn ich fall’, dann fall’ ich weit.
Ich lauf’ und lauf’, auf dass ich wahr bin.


Es schmerzt, mein lieber Kopf…
Die Zeichen stehen auf: Es reicht nicht.
Als hätten sie sich schon verbrannt,
bevor… du überhaupt von dir was preisgibst.

Nur nach und nach —
du fühlst es erst —
macht sich in dir Verstehen breit.
Viel zu spät und viel zu ernst,
merkst du:… dafür bist du noch immer nicht bereit.

Vielleicht niemals. Wahrscheinlich nicht.
Die Zeichen stehen auf: Es reicht uns nicht.
Dann steh’n wir wieder auf …
Die Zeichen standen auf:
Mein kleiner Freund, es reicht nicht.

Dann steh’n wir wieder auf
und ich… ich lauf’ und lauf.
Die Zeichen… stehen wieder auf…
und ich… ich lauf’ … und lauf’… und lauf’.
Und die Zeichen stehen auf.
Und ich… ich lauf’ … und lauf’.

Und lauf’ und lauf’…

Lauf’.

Lauf’, mein kleines Flämmchen, lauf’.
Doch wenn dich niemand mehr verletzen kann,
dann, liebes Flämmchen,…
bist du zu weit gerannt.

Denn manch’ einem
warst du zu schnell.
Es reicht’ nicht nur —
branntest zu hell.


Lauf, Flämmchen, lauf. Du wirst es ihnen zeigen!
Und, die die damals von dir gingen,
werden Loblieder auf das Flämmchen singen.
Diejenigen, die damals meinten:
Tut mir leid, mein Flämmchen,
doch es wird nicht reichen;
ist nicht so, dass es deine Schuld ist —
es reicht vielleicht, doch halt für uns nicht.
Die… die werden Loblieder auf das Flämmchen singen.

Und trotz des nahen Todes in den Wassermassen,
wirst du sie doch nicht alle hassen.
Du, mein Flämmchen, wirst wissend schweigen,
während and’re dann vom Flämmchen schreiben.
Wissend, wer geblieben ist;
und wer meinte: lieber nicht.

Diesen fernen Tages dann,
wirst du dich erinnern,
an die wenigen, die damals
sagten: Ich… ich nehm’ es an —
mit all den Schatten in sein’m Innern.

Wisse das, mein liebes Flämmchen.
Lass’ sie heute gehen und später ihre Lieder singen.
Bleib’ jetzt besteh’n und freu’ dich derer, die mit dir deine Wege gingen.