Link zum Auftakt der Serie: Hier.

Foto von JR Korpa auf Unsplash

Nach der Pause.

Da unten… ist viel… Energie, Dramatik, Aufgaben. 
Sensibel ist es da unten, gelangt man einmal soweit hinab. 
Und so wacht da auch irgendetwas… Hässliches. Es schlief, denn zu selten kam noch jemand so tief. 

Das, obwohl ich doch selbst merke, wie ich sie mir immer wieder mit schlafwandlerischer Sicherheit suche: diejenigen, die auf den Punkt verletzen können… weil ich sie brauche und schätze. Trotzdem, so tief war lang niemand mehr gekommen; dazu noch mit nicht nur scharf schneidendem Messer, sondern auch gefährlicher, so wundervoll anschmiegsamer Energie. Damit ging sie direkt an die Wurzel; direkt an den Ursprung von all der Unruhe, aber auch der Kraft – dann noch mit einem schönen Gesicht und einer noch schöneren Geschichte. So ging es mit einem einzelnen Satz durch all das Unkraut, das sich neben der Wurzel tümmelte. Die schöne Geschichte fegte alles hinweg. 

(Die Frage nach der Kraft, die mir schöne Geschichten spenden, begleitet mich spätestens seit diesem Ereignis wieder. Aber das ist Stoff für einen anderen Text.)

Und, ob es jetzt die gefährlich weiblich-anschmiegsame Energie oder die subjektive Kraft der Geschichte war, es war schön zu sehen, wie es da unten wieder etwas weckte. Wie sie zunächst sanft geneckt hatte – weckte, reizte. – Da war noch alles schön. – Später aufwühlte, dann trieb. Bis es, das Geweckte, sich umdrehte und stellte. Aufrecht stand, wieder aufrecht steht und sich stellt.

Das war schön zu sehen.

Denn: Es war sowieso schon zu viel der Ruhe in dieses Leben getreten. 
Es war nie meine Absicht gewesen, ein ewiges “egal.” für das Brennen einzutauschen. So viel Regungslosigkeit wollte ich nie. Trotzdem kam’s dazu und einmal im Schneckenhaus, waren die Regungen auch gar nicht so leicht wieder zurückzubekommen. 

Ich weiß, wie dämlich das klingt, aber oft hatte ich die anderen um ihre Angst, ihre Regungen sogar beneidet. “Warum kann es mir nicht auch so wichtig sein?” “Warum kann ich nicht auch ein wenig Angst vor dem Scheitern haben?” “Na, treib’ dich doch mal an, wenn du dich so gern für etwas Besonderes hältst. Oder doch schon aufgegeben? Pah!”

Ohne das Brennen, vermisste ich etwas.

Und so, denke ich, lautet zumindest für mich die Antwort: “Ja.”. “Ja.” zum Brennen; “Ja.” gerade zu einer Form, die ich jetzt neu kennengelernt hatte; “Ja.” zum Zulassen, zum an die Wurzel lassen, zum Verletzlich machen; damit auch wieder “Ja.” zu einigen Verletzungen, zu dem Brennen in seiner schmerzhaften Form; auch “Ja.” zur Versagensangst; vor allem aber “Ja.” zum Wecken dieses kraftvoll Hässlichen. Denn sonst… kommt… 

Der Ekel; der leise, schleppende Lebensekel (Taedium Vitae).

Foto von Edu Lauton auf Unsplash – habe es zugeschnitten und minimal bearbeitet.

Der Ekel; der leise, schleppende Lebensekel (Taedium Vitae).

“Nein.” zum Ekel. 

Ich will nicht noch weiter in die Richtung gehen. Wenn alle Leidenschaft verloren geht; nichts mehr berührt, bin ich nicht ich. Bin ich schon gar nicht so gut, wie ich sein kann. Und das will ich schon aus ganz egoistischen Gründen sein – alleine kann ich es nur nicht. Dieser Kern und das, was ihn bewacht; die beiden, die sich jetzt (endlich mal wieder) bedroht fühlen, weil mal wieder etwas zu ihnen durchdringt, waren es schon immer, die mich antrieben, nicht nur motivierten oder leicht schubsten, sondern trieben, immer weiter und zu mehr als möglich gewesen wäre trieben; auch die Bereitschaft zu Leiden schafften.

Nein, ich will nicht noch weiter in diese Richtung gehen, bei der so vieles egal wird. Bevor ich niemanden mehr bis in die Nähe der Wurzel lasse, nehme ich lieber wieder das Gefühl der Bedrohung in kauf; lasse in die Nähe, wissend, dass man mich dann verletzen kann. 

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich kann gar nicht betonen, wie wichtig mir das ist. Ich will niemals sagen: “Nein, das sind mir die Schmerzen nicht wert.” oder “Nein, das ist zu gefährlich.” Nie. Nie! 

Ich habe gesehen, wohin das führt. Auch das hat seinen Preis; da zahle ich lieber den meinigen.

Zweifelt man, nachdem ich mich verletzlich gemacht habe, nämlich an mir, dann legt sich – gerade im Landeanflug zur Verzweiflung, “Wie soll ich jemals gut genug sein?!” – plötzlich, wie aus dem nichts, der Schalter um; dann wird wieder und weiter der entschlossenen Trotz an den Tag gelegt: 

“Was? Du weißt nicht, ob Ich gut genug für dich bin?” 

Dann will ich endlich wieder überzeugt lachen. Mit viel Kampfeslust und voller Vorfreude. Dann kommt es nämlich endlich wieder: das fett geschriebene Ich. Hah!

Ja, Teile davon sind kindlicher Trotz. Aber er ist verdammt nützlich und heilsam. Denn dann kommt endlich wieder: Herausforderungen sehen; dann kehrt meine Selbstsicherheit zurück. – Ja, ich weiß, die sollte eigentlich nicht davon abhängig machen, was eine bestimmte Person über mich denkt, aber in diesen Fällen, wenn mir jemand wichtig geworden ist, ich mich präsentiert habe – sozusagen zum Urteil freigegeben -, ist sie dann eben wie weggefegt. Dazu, wie sich das anfühlte, im V. Teil mehr. – Und trotzdem: mit diesem aufkeimenden Trotz kehrte die Selbstsicherheit und dann auch der empfundene Selbstwert zurück.

Ich denke, das ist eine Stärke von mir. Ich mache mich erst so verletzlich, dass man meinen sollte, ich wäre dann mit einem letzten Stoß gänzlich zerstört, stattdessen bäume ich mich dann aber auf und werde zu etwas Stärkerem.

Zweifelt jemand, der mir etwas bedeutet, daran, ob ich gut genug bin, dann weiß ich in diesem Moment, wenn dieser letzte Stoß gesetzt ist, eines ganz genau: Es zeigt nur, dass dieser jemand etwas doch nicht verstanden hat: Wenn ich will, dann kann ich. Und noch besser: Habe ich einen Grund, diesen Trotz, diese Kampfeslust, dann weiß ich, dass ich kann; will noch mehr – und plötzlich kann ich auch, was zuvor unmöglich gewesen war. 

Denn endlich strecke ich mich wieder – sitze nicht mehr nur noch zusammengekauert herum und tue genug, sondern strecke mich und greife wieder nach Mehr, werde besser. Endlich. 

Dann will ich wieder ich sein, spüre wieder mehr von der Stärke, die da doch noch in mir verborgen liegt. Und für die, die nicht an mich glaubten, bin ich dann wieder trotzig lachendes Ich; blendend, strahlendes Ich; erstaunlich, unfassbares Ich.

Ich! Ich! Ich! Ihr F*cker.”, ruft das unreife Kind aus, aber vielleicht brauchte es dieses Kindsein auch noch einmal. Denn ich wurde ja auch ein Neuer, Anderer, Besserer.


Link zu Teil V: Hier.