Link zum Auftakt der Serie: Hier.


Wie der Ton schon vermuten lässt, erwächst aus so viel Ich-Zentriertheit, aus den Bedrohungen und dem Trotz schnell ein blindes Voranschreiten. Mit der Ruhe der Meditation kam und kommt ein gutes Zurücktreten. Es kam die Möglichkeit, sich selbst von außen zu betrachten und damit auch die eigenen Truppen und Ressourcen zu delegieren, sich eine Übersicht zu verschaffen und womöglich umzuordnen. In eine Richtung, die weniger fremdbestimmt, mehr den eigenen Interessen und Stärken entspricht. Außerdem hielt mein Körper so auch immer mehr Stress (in den bekannten Bereichen) aus. Für sich genommen, war das gut.

In den letzten Jahren hatte ich aber – wohl unbewusst, vielleicht um mich zu schützen, vielleicht aus einer Art hinterlistiger Faulheit – mein Leben von diesen bedrohungsschaffenden, unvorhersehbaren Situationen wegmanövriert, mich zu sehr zurückgezogen, sodass Lebendigkeit und Kraft fehlten. So kam es dann, dass mich so eine kurze, schöne Lebensanekdote einerseits unverhofft, andererseits danach lechzend (vielleicht unverhältnismäßig leicht und stark) treffen konnte.  

Wie ich den Moment der Veränderung – von meinem Glauben, nichts könne mich mehr für sich brennen lassen, zu dem beschriebenen Brennen, mit dem Verlust jegliches empfundenen Selbstwertes – empfand, traf ich, finde ich, mit dieser Notiz aus der Zeit ganz gut:

Foto von reza shayestehpour auf Unsplash

Ein einzelner Tropfen   
 Schlägt eine einzelne Welle   
 Und alles bricht zusammen.  
 

Ein einzelner Tropfen,   
  Fällt auf die wunde Stelle

  Und der Kleine steht in Flammen.   

Angelehnt an einen Tagebucheintrag aus der Zeit

Ich spür’ die Mauern,   
 Wie sie sich lockern;   
 Türme, wie sie fallen.   


Es war doch…   
 Nur ein Tropfen,
 Und schon spür’ ich,   
 Es sich lockern?   
 – Spür’ ich,   
 Wie sie fallen?

Angelehnt an einen Tagebucheintrag aus der Zeit
Foto von Sorin Tudorut auf Unsplash

Zum besseren Verständnis:
In dem Bild, das ich da von mir hatte, wenn ich in mich hineinhörte, war ich eine alte Burg, die dort – mitten in einem Ozean – seit Jahren steht. Gebaut auf einen Felsen. Die meisten ihrer Tage sind stürmisch. Heute war wieder so ein stürmischer Tag. Ich war die Burg und sah gleichzeitig als äußerer Betrachter vom Festland aus auf sie. Als dieser erwartete ich, dass sie mich noch überleben würde und noch in Jahrhunderten dort fest, einsam und verlassen im Ozean stehen würde. Aber dann kommt dieser eine, einzelne Tropfen, von oben ins Zentrum der Burg. Er schlägt auf dem Boden auf, trifft dort auf irgendetwas, betäubt erstmal alles und breitet sich dann in Wellen aus. Und auf einmal kehrt, wie in eingeschlafene Glieder, wieder Leben in die Burg zurück. In dem Moment spürt sie aber auch, wie brüchig ihr unüberwindbar geglaubtes Gemäuer doch ist, wird sich ihres früheren Irrglaubens bewusst und fragt sich, was sie dann noch ist, wenn ihr Mauerwerk so brüchig ist. Was bleibt dann noch von ihr? Wie hatte sich all das, wessen sie sich zuvor so sicher gewesen war, so schnell in nichts auflösen können? War all das, wenn es hart auf hart kam, wirklich so gar nichts wert?

Foto von Michael Dam auf Unsplash

Link zum VI. Teil: Hier.