Danke: Rob Long

 

Erste These: Wer weiß, warum es sich lohnt etwas zu tun, ist mehr dazu geneigt dementsprechend zu handeln.

Zweite These: Du willst ein guter Mensch sein.

Grund Nummer 1: Reziprozität

Der Homo Sapiens musste einen sehr hohen Prozentsatz seiner Evolutionsgeschichte, ohne Geld auskommen. In dieser — je nach persönlicher Kapitalismusaffinität — grausamen Schreckensvorstellung oder utopisch anmutenden Wunschvorstellung waren wir auf ein anderes System des Austausches von Gefälligkeiten angewiesen: die Reziprozität oder auch “Gegenseitigkeit im sozialen Austausch”.

Wo wir heute dem Friseur Geld für einen neuen Haarschnitt geben, hat der Urzeit-Friseur (vielleicht ist auch der Läuse-Sammler das bessere Pendant) dafür den Schutz beim all-freitäglichen Säbelzahntigerangriff erhalten und die Jungen wurden von den Älteren unterrichtet, um später zum Schutz des Stammes beitragen zu können.

Gefälligkeiten wurden somit nicht, wie heute oftmals, mit einem monetären Gegenwert verbucht, ihnen stand eine andere Gefälligkeit in der Zukunft gegenüber. Dieses System hat dem Menschen lange Zeit das Überleben gesichert und sich dementsprechend tief in unser Denken eingebrannt.
Deshalb entsteht in anderen Menschen, sobald wir ihnen helfen, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen, das Bedürfnis, uns in irgendeiner Form Gutes zu tun. Fängt man also einfach einmal (mehr oder weniger) grundlos damit an, Gutes zu tun, Geschenke zu machen und seinen Mitmenschen — vom Arbeitskollegen bis hin zur alten Frau auf der anderen Straßenseite — zu helfen, wird man bald bemerken, wie einem selbst (mehr oder weniger grundlos) Gutes widerfährt.

Ergo: Wer Gutes tut, erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, dass ihm Gutes widerfährt.

Grund Nummer 2: “Gutes Karma”

Gutes Karma” aus rein egoistischen Gründen zu sammeln ergibt durchaus Sinn. Ich will hier allerdings nicht darauf hinaus, dass einem als bravem Bürger nichts Schlechtes zustoßen kann. Hierfür gibt es wohl genug Gegenbeweise. Vielmehr geht es um unser Selbstbild.

Man sollte sich selbst beweisen, dass man glücklich sein darf. Leser eines Artikels namens “Fünf Gründe ein guter Mensch zu sein” haben laut einer zukünftig durchzuführenden Studie ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Gerechtigkeitsbedürfnis.

In einer Zeit, in der wir von den Nachrichten für gewöhnlich non-stop erfahren, wo gerade ein Terroranschlag verübt wurde, eine Hungersnot herrscht oder wie Extremismus auf der Welt immer weiter zunimmt, tuen wir gut daran, unserem Unterbewusstsein eine Legitimation dafür zu geben, jede Nacht behütet in unserem Bett zu schlafen. Für gewöhnlich führen wir “Low-Carb”-Diäten nur aufgrund masochistischer Anflüge, nicht wegen einer ausgebrochenen Kohlenhydrat-Knappheit durch und auch unsere Politiker (so sehr sie manchmal Grund zur Schelte geben), sind doch besser als die Tyrannen, die wir in anderen Weltteilen oder in anderen Zeiten sehen. Was ich sagen will: An sich geht es dem Durchschnittsleser durchaus überdurchschnittlich gut.

Ergo: Wer Gutes tut, beruhigt sein etwaig überdurchschnittlich ausgeprägtes Gerechtigkeitsbedürfnis.

Grund Nummer 3: Leben nach dem Tod

Diesen Grund will ich aufgrund der Jahrtausendlichkeit seiner Beschäftigung in menschlichen Denken eher kurz halten: Egal wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich solch ein Leben nach dem Tod nun auch ist. Sollte es dann doch kommen — und praktische Erfahrungen konnten die wenigsten Lebenden bisher sammeln —, dann hat man in dieser Ewigkeit eine ziemlich lange Zeit zu verbringen. Egal wie gering man die Wahrscheinlichkeit für solch ein Leben nach dem Tod einschätzt, es lohnt sich, hin und wieder den ein oder anderen Pluspunkt für diese Möglichkeit zu sammeln.

Ergo: Wer Gutes tut, sammelt Pluspunkte für die Ewigkeit.

Grund Nummer 4: Orientierung

Von jeher galten Grundsätze der praktischen Ethik wie “Behandle andere stets so, wie du von ihnen behandelt werden willst” oder später Immanuel Kants „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde”. Schon immer hat das Gute — trotz der Problematik mit der Bandbreite seiner Interpretationsmöglichkeit — als Orientierung für unser Handeln dienen können. Auch in einer Zeit, in der Selbsthilfe-Bücher neue Verkaufsrekorde erzielen, Menschen über die Kurzlebigkeit menschlicher Beziehungen und einen Werteverfall in der Gesellschaft klagen, kann eine eigenständige Einschätzung der Situation von großem Wert sein: Kann ich hier eine Möglichkeit nutzen, etwas Gutes zu tun?

Ergo: Wer Gutes tun will hat zu jeder Zeit ein Fundament, auf dem er seine Entscheidungen basieren kann.

Grund Nummer 5: Kitsch

Die Vorstellung, in einer Welt zu leben, in der nur “gute Menschen” umherwandeln, birgt für jeden sicher seine ganz eigenen Empfindungen. Für mich birgt sie eine gewisse Komik, einen Kitsch und dadurch die Möglichkeit zur Selbstironie. Dieser Kitsch, der per Definitionem als minderwertiges Kunstwerk eingeschätzt wird, würde uns allen die Möglichkeit geben, unser eigens Leben weniger ernst und dadurch spielerischer zu nehmen. Von einer Definition zur nächsten, bereitet das “Spiel” wiederum Vergnügen — und so könnte uns das minderwertige Kunstwerk unserer Vorstellung dabei helfen, vergnügter durchs Leben zu gehen.

Ergo: Wer Gutes tut und den Kitsch darin sieht, kann das Leben spielerischer nehmen.

Zusammenfassend können wir also sagen:
Wer Gutes tut,

  • erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ihm Gutes widerfährt.
  • beruhigt sein etwaig überdurchschnittlich ausgeprägtes Gerechtigkeitsbedürfnis.
  • sammelt Pluspunkte für die Ewigkeit.
  • hat zu jeder Zeit ein Fundament, auf dem er seine Entscheidungen basieren kann.
  • und den Kitsch darin sieht, kann das Leben spielerischer nehmen.

Schon eine Idee, wie ihr heute Gutes tun könnt?