Geschichte oder sowas (Teil I: Hier)

Foto von Yoal Desurmont auf Unsplash

 

Ich muss nur auf die Straße gehen und schon mache ich Erfahrungen. Das Leben, das sich mir auf die Nase bindet — einfach so — , und… ich weiß’ auch nicht, warum ich daraus mache, was ich mache.


OK. E? Ich bin raus. Mir reicht’s. Ich will nicht mehr wach sein… lieber hinlegen. Einfach mal hinlegen und schauen, was passiert — da vergeht die Zeit. Und warum nicht einfach mal schauen, was passiert? Ich mein: sind ja nur Bilder — wen sollte das schon stören?

Vielleicht kommt ja ein Funken. Und ist einer gefunden dann… dann kann es losgehen: es brennt — wieder wird es schön warm.

Warum? … Einfach, weil es Sinn zu geben scheint.

Aber, E, was ist, wenn es jemand versteht? Versteht, obwohl ich doch nur umherstolpere zwischen Dingen, die ich nicht verstehe; gar nichts weiß; mir einfach nur in den Kopf hole, was Sinn zu geben scheint — einfach weil… weil es Sinn zu geben scheint… weil… ich mein, wenn das nicht genug ist: was dann?

Ein Gefühl hier, ein Buch da, ein Mädchen dort, viele kleine und ein, zwei große Fragen — Überraschung und Verwirrung.
Alles wird vermischt, so wie es eben Sinn zu geben scheint.
Warum nicht? Ich mein: Warum nicht?

Was es dann ist, was dabei rauskommt? Woher soll ich das denn wissen, E?
Wann sage ich denn schon einmal etwas, das ich verstanden habe? Ich?

Aber, E? Ja… was, wenn… wenn ich dann auf einmal etwas gesagt habe, das ich gar nicht wusste, nur weil es Sinn zu geben schien. Und dann habe ich es gesagt.

Hätte ich still sein sollen? Was, wenn ich damit irgendetwas kaputt gemacht oder geschaffen habe; was wenn beides? Darf man mir das dann anrechnen? Muss man es? … Naja… Aber: darf ich es mir anrechnen? Muss ich es?
Du hast ja recht, E, lieber still sein. Einfach mal still sein; sehen was passiert… einfach mal still sein. Sei doch einfach mal leise!


Weil, E, gerade habe ich nur so das Gefühl, ich mache allen alles kaputt, wenn ich mal mit jemanden rede. Derweil würde ich doch viel lieber Brücken bauen — gemeinsam. Das wäre doch ein Ziel… Eine, die dann da steht und bleibt. Aber gerade, E, da habe ich viel mehr das Gefühl, ich würde ihnen eh nur alles kaputt machen, wenn ich nur einmal mit ihnen rede.

Deswegen lieber einschließen, wegschließen… vor allem Gedanken. Weil… irgendwas sät man immer — und wenn ich es säe, dann… dann wird es… wird es dann ihres verändern oder gar verdrängen? Sie wahrscheinlich… hier hinführen? Dann hab ich es ihnen kaputt gemacht. Ihren schönen, behüteten Garten. Aber warum stellt man mir denn auch Fragen?

Warum sollte ich denn irgendwem Fragen beantworten können? Ich? Auf, dass ich ihnen noch das kaputt mache, was ihnen doch gut tut. Die kleinen Freuden, die ich nicht von oben herab, sondern von unten hinauf — mit großen Augen — betrachte, die manchmal dann zu großen Freuden führen, bei denen ich dann versuche, nicht neidisch zu werden.


Dann sitz’ ich ganz still und leise da unten, schau hinauf zu ihnen und denke leise… ganz leise:

“Spring’ nicht, kletter’ noch nicht mal runter; geh’ lieber weg von mir; genieß’ es. Du musst hier nicht runter. Mach weiter, es ist schon genau richtig so… weiter so…”

Leise, damit mich niemand hört; damit sie weiter neue Ziele entdecken, die zu Zielen führen; weiter auf ihrem Weg bleiben; damit sie weiter teilhaben an kleinen Freuden, die dann zu großen werden.
“Oh wie schön. Oh wie schön. Wie schön, dass es euch wichtig ist. Hegt es, pflegt es und passt auf, dass es euch niemand kaputt macht. Fragt mich bloß nichts.”
Und ich müsste nur wieder hochklettern und mit ihnen im Garten spielen, aber hier unten ist alles so anders… man tastet umher, gräbt mal hier, mal dort —  freut sich über sein Loch — nur noch ein bisschen graben und dann… — Oh, ich schweife ab, E. Entschuldige.


Manchmal… da habe ich fast Angst, dass ich… dass ich das daraus lernen könnte: Dass ich aufhören sollte, zu versuchen.

Weißt du, was ich meine? Ich meine: aufhören, zu versuchen, ungehemmt Fragen zu beantworten, weil ich dann… immer wieder zu solchen Gedanken komme — irgendwo muss ich da doch einen Fehler machen — ; aufhören zu versuchen, offen für Antworten und Gedanken zu sein — irgendwas werden sie verstanden haben, das ich einfach nicht begreife. Aufhören, offen für Fragen zu sein; aufhören, offen zu sein.

Ich sollte es wohl, wenn es weder mir noch ihnen gut tut. Vielleicht hätte man das einfach von Anfang an lassen sollen, weil es so viel leichter ist, etwas kaputt zu machen, mit dem was man da eigentlich macht, sagt oder denkt. Aber… echt jetzt? Noch nicht einmal hier — noch nicht einmal mit mir offen sein? Das ist… grausam… bitte nicht. Nein… es wäre einfacher, aber das kann nicht sein. Dann wären wir nicht, was wir sind und was würde dann aus uns? Und aus uns, E?


 

Link zu Teil III: Hier.