Geschichte oder sowas (Teil I: Hier)
Foto von Zoe Holling auf Unsplash

 

Ich muss nur auf die Straße gehen und schon mache ich Erfahrungen. Das Leben, das sich mir auf die Nase bindet — einfach so —, und… manchmal da weiß ich noch immer nicht, warum ich daraus mache, was ich mache; spreche aber mit Menschen und weiß dann noch weniger, wer da jetzt gerade eigentlich macht…, fühlt, denkt und lebt.


Manchmal, E, da gibt es so Zufälle, die —

Ich muss wieder ein wenig abschweifen, E. Auf eine andere Art, diesmal.

Aber am Ende wird alles einen Sinn ergeben. Also gedulde dich, weil vielleicht ist etwas Neues für dich dabei. Ich will dir damit auch gar nichts Böses, eher etwas Gutes, E, weil… du sitzt innen oben, hörst zu und beobachtest — gibst vielleicht mal, mit einem unscheinbaren, “das wirkt auf mich erst einmal so: …”, oder einer unpassenden Frage einen Stoß in eine bestimmte Richtung. Aber diesmal hörst du von jemanden der außen oben sitzt und ähnliches tut. Also: Hör gut zu. Das klingt jetzt erstmal vermessen, aber: Vielleicht kannst du ja etwas lernen.
Jetzt geht es nämlich nicht nach unten, sondern nach oben; nicht nach innen, sondern nach außen; nicht fantastisch, sondern ganz real, um die Grenzen aufzulösen. Die können wir hier gerade nämlich nicht gebrauchen. Sie können schon gut sein, aber an dieser Stelle stören sie uns nur. Daher: Hinfort mit ihnen!

E… Nein! Es tut mir leid: ‘Wie wir die dann wieder etablieren?’, dazu kann ich mir jetzt erstmal keine Gedanken machen. Das überlass’ ich dir. Mach’ dir Gedanken dazu, wenn du willst, aber jetzt… jetzt braucht es Veränderung.

Also, E — Jetzt! Nein. Hör zu! Hör zu. Ok? Gut. … Manchmal, E, da gibt es so Zufälle, die… amüsieren dich erst einmal, dann freuen sie dich, aber dann beunruhigen sie dich und dann… ja, was dann? Verstehst du dich selbst noch weniger oder ein wenig besser.


Stell dir vor, E: Ein Nebensatz.

Ein Nebensatz im Gespräch; ein Nebensatz, der etwas preisgibt, tief blicken lässt: auf den inneren Kampf eines Freundes — ein Nebensatz, mitten im alltäglichen Geplänkel.

Er lässt tief blicken: auf den inneren Kampf eines Freundes, von dem er dir bereits berichtet hat, aber meist nur auf Nachfrage; meist nur als ausführlichere Beschreibung einer Maske, die zeigen soll, was darunter steckt; aber eben doch nur ein Symbol — hinreichend kodiert, sodass nur vage Rückschlüsse möglich sind. Manchmal war er darüber hinaus gegangen, aber — wie gesagt — meist nur auf Nachfrage. Meist nur abstrakt, aber immerhin oft schön.

Und jetzt: ein Nebensatz, der etwas preisgibt — ohne Nachfrage.

Und genau bei diesem Nebensatz horchst du auf: zwei Reize.


Erst siehst du es, dann hörst du es. Du siehst es, erinnerst dich und als unmittelbare Reaktion sagst du:
Hah — genau das, habe ich […]
dann kommt der Ton — und so verstummst du, wo du eigentlich anfügen wolltest, “[…] genau so, mit genau dem Gefühl, dem Kontext und exakt diesem Wortlaut vor einigen Tagen geschrieben. … Als ich mal wieder einfach sehen wollte, was Sinn gibt… was für ein Zuf…” — Oh.

Dann realisierst du den Ton und: Oh… das war ein Nebensatz, der etwas preisgibt — ohne Nachfrage… das war nicht mehr Teil des Geplänkels. Wie kommt es, dass du genau diesen Nebensatz — Du verstummst. Folgst den Worten deines Freundes weiter — es ging wieder zum alltäglichen Geplänkel über — und trotzdem hörst du dankbar zu… später wirst du darüber nachdenken, was das zu bedeuten hatte.

Was hat es zu bedeuten, E?


Wir sitzen also in unserem Loch und graben. Sehen: nicht von oben herab, sondern von unten hinauf zu ihnen… auf die kleinen Freuden, die dann zu großen werden. Und du sagst zu mir: “Weißt du, wo wir gerade sind? Wir sind…” … Oh… Sind wir — Halt! E? Du sprichst? … E?… E?

Sind wir… ist das hier alles gar nicht meins, sondern… aber ich fühle es doch, denke es doch und lebe es sogar teils… wie… aber wenn ich es doch fühle, denke und teils sogar lebe… wie kann es dann nicht ich sein?

Ist es weil? War ich wiedermal offen? Aber so sehr, dass ich dann… und auf einmal war ich in seinem Kopf? … Wie? Du… siehst das öfter bei mir… oh… jetzt, wo du es sagst… Aber: Wo bin dann in all dem noch ich? Wo bin in all dem noch ich, wenn ich immer nur das bin, was ein Mensch denkt, der mir wichtig ist? … Wie… Wie? Wie… das war schon immer so?


Was soll ich daraus jetzt machen, E?


Aber… ich merk schon… erstmal müssen wir wieder runter ins Loch, um herauszufinden… hmm… lass uns doch mal sehen, was diesem Kopf Sinn gegeben hat — das hat mir schon geholfen — ; was ihm Sinn geben könnte — vielleicht hilft uns das beiden — ; was Sinn geben könnte — vielleicht hilft das ja uns allen.

Ja… das wär schön… und manchmal frage ich mich: Wenn es schön wird, hilft es dann allen?… Ich schweife schon wieder ab.

Also, lass uns mal schauen, was da noch so vorgeht — sogar, wenn es hin und wieder unschön wird, weil… einfach wird es ganz sicher nicht. Aber vielleicht ja schön… auch wenn es hin und wieder unschön wird.


 

Link zu Teil IV: Hier.