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Link zum ersten Teil der Serie.

Audioversion.

Liebe Sharon, 

mir fiel letztens auf, dass es mir nicht schwer fällt den Strauß Blumen wegzuwerfen. 

Eine Woche stand er da auf meinem Schreibtisch und jeden Abend, wenn ich heimkehrte, war er ein wenig mehr verwelkt. 

Und bitte versteh mich jetzt nicht falsch: Ja, ich sehe mir gerne Bilder von Waldbränden, schaurigen Kreaturen und walpurgishaften Szenerien an, aber an den Blumen erfreute mich nicht ihr Verfallen. Nein, ich erfreute mich wirklich an ihrer Schönheit; der Schönheit von Dingen, die mit einem unvermeidbaren Ablaufdatum versehen sind. 

Ich weiß: Was red’ ich denn davon? 

Ich weiß, so etwas weiß man doch, man kennt es doch; diese Schönheit ist eins der Dinge, die jedes 17 jährige Mädchen kennt: Natürlich fällt es ihr leichter, sich in mich, den Touristen, zu verlieben, wo ich doch in wenigen Tagen schon wieder weg sein werde; natürlich kann sie mir, dem Fremden, alles erzählen, das niemand ihrerer besten Freunde weiß, wo ich doch niemanden kenne; natürlich, genießen wir beide, die vom Schicksal Zusammegebrachten, die Zeit miteinander nur so sehr, wo sie doch mit einem unvermeidbaren Ablaufdatum versehen ist… und, dass ich da ein wenig älter bin als sie — sonst unüberbrückbares Hindernis — , was sollte sie das da stören? 

Nein, ich erfreute mich wirklich an ihrer Schönheit; ich habe mich jeden Tag, die sie auf meinem Schreibtisch, in meinem aufgeräumten Zimmer standen, über sie gefreut. Und jetzt, wo es vorbei ist, freue ich mich auf die nächsten und behalte sie in guter Erinnerung. 

Aber ich verstehe warum du keine Blumen geschenkt bekommen willst… sogar wenn es das für uns eventuell einfacher machen würde. 

M.


Link zum fünften Teil der Serie.

Marco (Hier mehr)