Licht fällt auf einige Halme
Foto von Deanna Lewis auf Unsplash
Die ersten 27 Minuten des Beitrags. Der Cut ist dann ziemlich random, aber irgendwann konnte ich einfach nicht mehr.

Hier geht es dann nahtlos weiter.
P.S.: Ich habe beim Lesen, ein paar Fehler bemerkt – ein paar Mal habe ich Endungen von Verben falsch drin (Plural statt Singular oder andersrum) und am Ende mindestens eines Relativsatzes fehlt ein ganz eindeutiges (!!!) Komma. Ich bin bei dem Text nur mittlerweile einfach betriebsblind. Wenn jemanden ein Fehler auffällt… gerne kurz Bescheid geben (Mail, Facebook, Whatsapp, etc. – unten ist die Kontaktseite verlinkt).

Vorwort

“Sören” und ich waren zum ersten Mal zusammengekommen, um uns an seiner Biografie zu versuchen. Wir fragten uns: Wer war das, dieser “Sören F.”, was hatte ihn zu dem gemacht, der er war, und wieso brauchte es diese Biografie? 

Nur eine der Fragen konnten wir wirklich beantworten: dass es diese Biografie doch wohl selbstverständlich nicht brauchte. Es gab bereits unzählige Biografien dort draußen. Was gesagt werden musste und was Leser daraus lernen könnten, war im Großen und Ganzen gesagt und, ob sein Werk welt- und menschheitsgeschichtlich irgendeine Signifikanz behalten sollte, würde erst gesagt werden können, wenn wir beide schon lange unter der Erde lagen. 

Trotzdem versuchten wir uns erstmal an ihr. Wir führten Interviews, dachten nach, reflektierten erstmal eine Weile sein Leben als großes Ganzes, dann einzeln seine Kindheit, Jugend, Studien- und all die folgenden Jahre; kamen letztlich sogar auf die Idee, einen Roman aus seinem Leben zu machen. 

Das schien uns für die Botschaft, die wir vermitteln wollten, zumindest angebrachter als eine Biografie. 

Der Hauptcharakter solch eines Romans würde Sören F. heißen. Darauf bestand ich und daher nannte ich meinen späteren Freund auch von da an immer scherzhaft Sören F.. 

Mir war klar, dass unsere Figur den Vornamen Sören Kierkegaards teilen müsste und dieses Merkmal diskutierend kamen wir auch sehr schnell zu dem Schluss, dass dieser Zufall nicht die Absicht der Eltern unseres Hauptcharakters gewesen sein könnte — wer würde sein Kind schon nach diesem dänischen Philosophen benennen? 

Nein, seine Eltern hatten, wie alle Eltern, andere Absichten mit Sören gehabt. 

Vielleicht war sein Vater ein evangelischer Missionar, mit der strengen Erziehung, die dies nach sich zog — so ein Vater hätte fast mit Gewissheit bestimmte Absichten gehabt. Vielleicht war sein Vater aber auch ein Seefahrer, der seine Mutter zwar geliebt hatte, aber als das Schiff den Hafen verließ eben wieder gehen musste. Doch auch dann hätte dieser Vater sicherlich, ob er es nun wollte oder nicht, Sören das eine oder andere vermittelt und ein Päckchen— und sei’s ein rätselhafteres — auf Sörens Existenz gelegt. Vielleicht war Sören aber auch irgendwo im Wuppertal in einer recht normalen Familie — nivellierte Mittelschicht, nichts zu klagen — aufgewachsen. Spätestens hier wären wir dann an einer interessante Stelle gelandet: man würde dann wohl was ihn belastete ebenso leicht aus seiner Biografie lesen können, wie man es nicht aus seiner Biografie hätte lesen können. 

So sehr wir die Elternfrage also drehten und wendeten, wir hatten einfach keine Antwort, die nicht ziemlich willkürlich gewählt gewesen wäre. Und auch die Frage, woher die Last auf Sörens Schultern kam, würden wir noch häufig diskutieren.

Um einen Roman zu schreiben, hätten wir diesen Sören F. aber wohl an solch feste Säulen der Existenz antackern müssen. Ja, ein Vater, eine Mutter, eine echte Lebensgeschichte oder zumindest einer erfundenen, sowas hätte es schon gebraucht, um dem Leser Sören letztlich dann klipp und klar vor Augen schweben zu lassen. 

Aber das erschien uns nicht richtig und so taten wir es nicht. 

Das Projekt verlief im Sande, was blieb waren nur: viele weitere Treffen, die keinen Versuch mehr darstellten eine Biografie zu schreiben, viele Notizen, Fragen, die wir uns nichtsdestotrotz bis zuletzt stellten, eine Freundschaft und heute einige Erinnerungen. 


Vor einigen Monaten nun war mein Freund gestorben. 

Nein, lieber Leser, du musst an dieser Stelle nicht traurig sein. Denn Sören und ich lästerte viel darüber, dass unsere Gesellschaft es verlernt hatten zu altern und zu sterben; dass es auf einen schweren Missstand in unserer Lebensweise, auf eine kleine innere Welt und den fehlenden Bezug zu etwas Größerem hindeutete, wenn man den eigenen Tod nicht als Teil des Lebens akzeptieren (ja, nicht nur tolerieren) konnte. Wir sprachen dann über so Dinge wie Löcher in den Seelen der Menschen, die mit mehr und mehr vermeintlichen “Gütern” gestopft werden sollten, und in besonders wilden Phasen sahen wir das auch als eine Ausgeburt (beziehungsweise einen zunehmend stärker werdenden Strudel) der Empirie, dem nicht einfach mit ein paar Drogen — seien sie nun biogen oder synthetisch —und einem Abschotten von der Gesellschaft beigekommen werden konnte. Aber das soll uns hier nun nicht weiter aufhalten. 

Daher sei nur so viel gesagt: Sören war — zumindest in der Zeit, in der ich ihn kennengelernt hatte — kein reiner Wortspieler, Logiker oder Wissenschaftler gewesen. Nein, er hatte geglaubt, dass all dies seine Zeit und seinen Wert hatte, aber dass einem der Körper und seine Sinne, ja selbst der Verstand manchmal mehr eine Bürde sein konnten, wenn es darum ging, etwas über das Leben zu lernen.

Und, wenn man eine Weile mit ihm zusammensaß, dann sah man auch, dass mit dieser Lebensweise in ihm das Leben nicht wie bei so manchem ins Alter kommenden Ideologen und vielen jener, die innerlich früh mit der Gesellschaft abgeschlossen hatten und sich fortan durchmogelten, wie unterirdisch Gift gearbeitet hatte, sondern sich vielmehr wie eine sorgsam eingearbeitete Maserung auf sein Gesicht gelegt hatte. 


Dieses maßvolle Altern, die Ruhe, mit der er noch in hohem Alter von seinem eigenen Tod sprach, seine Art zu sprechen, zuzuhören und zu leben war, was ich zunächst leise für mich, später auch im Gespräch mit ihm bald Sörens Geheimnis nannte. 

Wenn ich nun in dieser Vorbemerkung die Behauptung in den Raum stelle, dass der Schlüssel zu diesem Geheimnis war, Dinge zu glauben, für die es keinen Beweis brauchte und sich nicht nur mit Dingen zu beschäftigen, um deren Existenz und Richtigkeit man wissen konnte, dann ist der Leser natürlich noch kein Stückchen näher daran auch nur irgendetwas von Sörens Geheimnis zu verstehen. 

Wenn man im Bild bleiben wollen würde, war es tatsächlich so als trete man an den Leser heran, stelle sich neben ihn in sein Zimmer, gebe ihm einen Schlüssel und noch eine schemenhafte Beschreibung des Schatzes, der hinter jener Tür, für die er nun den Schlüssel besaß, zu erwarten war… und verließe nun wortlos den Raum. Nun saß unser Leser dort in seinem Zimmer und für ihn hatte sich bis auf ein kurzes seltsames Ereignis, von dem es — nun seien wir doch einmal ehrlich — so einige gab, nichts geändert: noch immer waren die selben YouTube-Videos im Browser geöffnet, der gleiche Ausblick grüßte einen aus dem Fenster, die gleiche Welt mit den gleichen Gesetzen trieb in und außerhalb des Blickfelds, vor, hinter und um ihn ihr Spiel; noch war da der gleiche Alltag, der gleiche Mensch mit den gleichen Überzeugungen, mit den gleichen known knowns, unknown knowns — eine davon der Standpunkt jener Tür — und seinen ganz persönlichen unknown unknowns. Er hatte nur einen Schlüssel, der diese Tür aufsperren würde; nur öffnete der Schlüssel auch viele, viele andere Türen, hinter denen teils nichts, teils wenn es hart auf hart kam verfliegende Illusionen und auch ein paar Abgründe verborgen lagen. 

Dennoch mutmaßte ich weiter: Gab es nicht zumindest irgendetwas, das ich dem Leser guten Gewissens über Sörens Geheimnis mit auf den Weg geben konnte? 

Ich vermutete zum Beispiel, dass eine Eigenart Sören geholfen hatte nicht das Schicksal jener Ideologen zu teilen und zwar, dass er (nicht trotz sondern gerade) mit Hilfe seines Glaubens immer versucht hatte, die blinden Flecken in seinem eigenen Plan vom Leben nach und nach aufzudecken. 

Was war nun mit Plan vom Leben gemeint? Auch das war etwas, über das wir häufig gesprochen hatten. Wir meinten mit diesem Plan das was auch dir, lieber Leser, eben zu oder nicht zu Ereignissen im Leben verhilft: worüber du sprichst, wie du etwas über einen Menschen lernst, worauf es für dich gilt achtzugeben, womit du deine Zeit besser nicht verschwendest, womit du sie doch verschwendest, et cetera et cetera. Ohne solch einen unbewussten Plan lässt es sich ja kaum leben. 

Wir glaubten damals schon beide, dass es wichtig für Sören gewesen war, nach und nach, sodass es gerade noch erträglich war, die blinden Flecken dieses Plans aufzudecken und sie schmerzlich nachzuarbeiten. Oft geschah dieses Aufdecken blinder Flecken auch auch mit der Hilfe einiger guter Freunde. Und dort, auf den Wegen abseits seines Planes, hatte er dann oftmals gefunden, was den meisten anderen verborgen blieb: seine persönlichen Kleinode. 


Wir bildeten uns aber nicht ein, dass wir damit irgendeine großes Geheimnis aufgedeckt hatten — sollten denn nicht schon König Artus Sagenritter bekanntlich an den Stellen des Waldes, die ihnen die dunkelsten waren, nach dem Heiligen Gral suchen? Mit Sicherheit war da etwas Wahres dran, dass dort Schätze verborgen lagen, wo es am dunkelsten war, aber es war eben auch nichts Neues. 

Wenn wir das nun also nicht aufschrieben und mit der Welt teilten, enthielten wir niemandem etwas vor, was dieser nicht ohnehin schon längst wissen könnte, wenn er sich ernstlich für derlei Dinge interessierte. Wenn es dennoch für den ein oder anderen noch einen Anstoß in solch eine Richtung brauchen würde, dann würde ihn sein Interesse schon zu CG Jung oder einem seiner Schüler oder Lehrmeister treiben und würde dort fündig werden. 

Schrieben wir nun aber Sörens Geschichte auf, so würden es immer nur Sörens blinde Flecken bleiben, die wir hier ausleuchteten, die dem Leser ganz und gar unpassend erscheinen müssten. So würden sie ja kaum Wert für den Leser liefern. Das mag zunächst wie eine faule Ausrede scheinen. 

Wenn ich heute so darüber nachdenke, war es das vielleicht wirklich und im Endeffekt wollten wir uns einfach unterhalten und keine Zeit damit verlieren, die Dinge aufzuschreiben. Nun… vielleicht war das so. 

Damals fanden wir aber auch noch einen anderen Grund, Sörens Geschichte nicht aufzuschreiben. Uns wurde immer mehr bewusst, dass es gerade die noch so kleinen Gedanken — diejenigen, bei denen man sich später fragte: “Na und das sollte jetzt dazu geführt haben?” — waren, die von größter Wichtigkeit gewesen waren, um Sören zu seinen zuvor so gut vor ihm versteckten Kleinoden zu führen. 

Ja gerade die Gedanken waren es gewesen, bei denen Sören, der unverstandenen Tropf, einen für den Leser gerade nicht nachvollziehbaren Widerstand in sich gespürt hatte; ja, wo selbst ich mich, dem es mir manchmal so war als würde Sören genau das, was ich dachte für mich ausdrücken, nur viel reifer, bildlicher und durchdachter als mir das jemals möglich sein würde… wo selbst ich mich schwer tat nachzufühlen, wie es ihm gegangen war. 

Es war also ziemlich ausweglos. Was sollte man mit so einer Erzählung, wo sie doch ganz und gar auf eine ganz bestimmte Person zugeschnitten war? Unmöglich könnte man all die selbst Sören und mir unbekannten Gedanken niederschreiben, um zu erklären, was in Sören vorgegangen war. 


So verging einige Zeit. 

Dann saß ich eines Sonntagmorgens da, das Handy weggesperrt und ich hatte endlich einmal Zeit: Zeit genug. Ich saß vor meinem Laptop an einem etwas zu kleinen Tisch, rechts von mir ein Fenster und auch, wenn das Fenster ein wenig zu hoch begann, sodass ich mehr in den blauen Himmel blickte, als den Brunnen darunter zu sehen, hätte ich doch, wenn mich jemand gefragt hätte, geantwortet: Ich saß an meinem Tisch und sah durch ein hohes Fenster neben mir auf einen großen Brunnen. 

Ich wollte nur irgendetwas aufschreiben. Doch, wie das so war, wenn man Zeit genug hat, gab es nun einfach nichts zu schreiben. Lustlos tippte ich ein paar Dinge ein. Ich versuchte mich daran, endlich einmal ein paar Dinge zu ändern, die mir schon lange nicht an meiner Schreibart gefielen. 

Dinge übrigens, zu denen ich schon lange eine junge Dichterin und Freundin in einem Brief befragen wollte, den ich aber noch immer nicht angefangen habe. Nun… wie auch immer. 

Ich saß so also da und wurde mir wieder der Ausweglosigkeit, mit der wir vor der Aufgabe gesessen hatten, Sörens Geschichte aufzuschreiben bewusst.

Aber heute schien mir als würde mir eben diese Ausweglosigkeit eine große Last von den Schultern nehmen. Es war doch so unwahrscheinlich: Niemand konnte erwarten, dass ich mit der Geschichte Sören F.s wirklich sein Geheimnis berichtete; denn es war ja niemand anderes Geheimnis als Sören F.s — was sollte mich also davon abhalten einen Versuch zu starten? 

Und so schrieb ich darauf los. Natürlich wurde es nicht Sörens Geschichte. Wenn man so wollte, wurde es eine anscheinend willkürliche Anneinanderreihung von Geschichtsschnippseln, die teils wenig bis nichts mit unseren ursprünglichen Gesprächen zu tun hatten. Doch immer wieder kamen eben auch ein paar der Gedanken mit rein, die ich damals mit Sören besprochen hatte. Vor allem begannen sie sich aber perfekt, wie bereits abgetragene Spielkarten, ineinander zu legen, sodass ich irgendwann einfach sagte: Jetzt schreibst du daran einfach einmal weiter. 

Und so kam es also zu der nachfolgenden kleinen Erzählung und — wie gesagt — in ihr ist nun kaum noch ein Gedanke mit Sören abgesprochen. Auch wichtig ist, dass mir später aufgefallen ist, dass nur die Anfänge von Sörens Gedanken, wie er sie mir berichtete, in ihr enthalten sind. Deshalb ist noch anzumerken, dass diese später noch die eine oder andere kaum vorherzusehende Biegungen machen würde. 

Wie beginnt die Geschichte nun? 

Weil wir wie gesagt nicht glaubten, dass in unserer Geschichte die Umstände des Protagonisten eine so bestimmende Rollen spielen sollten, beginnt auch diese Geschichte nicht mit einer weinenden Mutter, mit einem erzornten, “Du bist an allem Schuld!”-brüllenden Lebensgefährten dieser Mutter, oder einem Ausbrechen aus der Klosterschule; nein, wir beginnen mit einem kleinen, unscheinbaren Moment, der meines Sörens Seele aber wie ich glaube mehr entsprach als viele solcher Szenen, und so werden wir uns danach auch nicht entlang eines Handlungsstranges durch ein großes Leben hangeln. 

Stattdessen lernen wir einen alterslosen Jüngling, der — wie so viele — am liebsten nirgends anstoßen wollte, anhand seines wenig besonderen inneren Zwists und seiner manchmal heimlichen, manchmal weniger heimlichen Vermutungen kennen: Sören F.. 


‘Ein altersloser Jüngling?’, fragst du da zurecht, lieber Leser. Ja, ein altersloser Jüngling. Wie sein Name ist aber auch das nur ein Stilmittel, das ich mir einbildete, um ein paar willkommene Nebeneffekte in meiner Geschichte zu haben. 

Einer dieser Nebeneffekte ist, zum Beispiel, dass, wenn wir im Folgenden immer wieder über Sören in bestimmten Lebensabschnitten sprechen, es sich dabei von einer auf die andere Sekunde wieder um Sören selbst — den Alterslosen — handeln kann, nicht um den 30- oder 15-jährigen Sören, der sich wieder auf irgendwelchen Irrwegen weg von sich befindet. Manchmal weiß selbst ich nicht, von welchem Sören ich da nun eigentlich berichte: Ist’s der eigentliche Sören, ist’s sein 21-Jähriges alter Ego, sind’s die Absichten eines un- oder wohlbekannten Vaters, eine Gegenbewegung zu diesen, anderer Leute Absichten? Man weiß es nicht. Alles in allem kann man also sagen: mir kam die Alterlosigkeit unseres Jünglings gerade recht und auch sie fügte sich gut in den Rest der kleinen Erzählung ein, sodass ich sie dann einfach ließ wie sie war. 

Trotzdem verstehe ich, dass diese Eigenschaft es manchmal… nun etwas verzwackt macht. 

Wir werden nun aber beide versuchen den wahren Sören durch dieses Dickicht und all die Verästelungen durchscheinen zu sehen und am Ende wird uns beiden, lieber Leser, wohl ein komplett unterschiedlicher, aber doch zumindest irgendein unscharfer Sören vorschweben… und eigentlich war es ja auch ganz einfach: Sören F. war einfach Sören F.. 


Sören F. 

Sören F. hatte nie Schuld auf sich geladen. Das einzige Vergehen, das er sich erlaubte, war es sich mittags, wenn alle beim Essen saßen, davonzustehlen, um die Zeit alleine in der Sonne zu genießen.

Nur beim in der Sonne Liegen konnte er einmal eine Weile einfach nichts tun, vielleicht sogar sich genießen, wie sie es ihn in den samstäglichen Yogakursen immer wollten. 

Sören hatte sich vom Mittagessen davongestohlen. Lehrer, Schulleitung und gerade des Internatsleiters Frau wussten davon, aber der Musterschüler durfte das und wo er auch sonst Regelverstöße mit seinem Gewissen und Selbstbild nicht vereinbaren konnte, war er sich hier, obwohl doch Sozialdienste auf derlei Vergehen stand, keiner Schuld bewusst. 

Dieses Davonstehlen während des Mittagessens wurde bei Sören nicht nur toleriert. Insgeheim freuten sich die Erwachsenen, den Jungen da alleine auf dem Holztisch liegen zu sehen — er wirkte glücklich: die Hose hochgekrempelt, das T-Shirt auf der Bank, die nackten Füße auf dem Geländer, vor ihm das Inntal, die geschlossenen Augen in Richtung Himmel.


In seiner Schullaufbahn hatte unser Sören ab einem gewissen Punkt immer mit Leichtigkeit gute, bald sehr gute Noten geschrieben. Wenn ich das nun schreibe, so soll der Leser bitte nicht denken, dass Sören besonders intelligent ist; ebenso wenig sollte der Leser Sören für “einen kleinen Professor” halten, nur weil er doch ab und an Züge eines solchen hat. Am besten sollte der Leser Sören mit keinerlei Annahmen, möge auch noch so viel Evidenz für sie sprechen, belegen, da das mit der Evidenz immer so eine Sache ist.

Vielleicht erklärt sich das dem Leser am besten anhand einer vorwegnehmenden Vermutung des Sören F..

Abschnitt 1: “So bin ich doch nicht.”

Sören hatte bereits in den späten Schuljahren, spätestens aber dann in den Studienjahren seines Lebens eine Vermutung beschlichen und diese dann auch immer häufiger bestätigt gefunden: nämlich skeptisch gegenüber Annahmen und richtigen Antworten; ja vor allem gegenüber Menschen, die sich ihrer Sache sicher waren, zu sein.

Die Geschichte von der vorwegnehmenden Vermutung fangen wir wohl am besten so an: Wieder spät, etwa in der neunten Klasse, hatte Sören gelernt die Antworten zu geben, die von ihm erwartet wurden: die richtigen Antworten. Das war der Zeitpunkt gewesen, ab dem er gute, bald sehr gute Noten geschrieben hatte und damit schienen dann alle glücklich zu sein. Also hatte er nun sehr gute Noten geschrieben. 

Trotzdem hatte Sören je länger er Zeit hatte die Welt zu beobachten nie das Gefühl gehabt Dinge zu verstehen. Eher entpuppten sich viele der Dinge, die er geglaubt hatte verstanden zu haben, bei genauerer Betrachtung (oder auch bei breiterer Betrachtung) als falsch. 

Um ein passendes Beispiel zu geben, spulen wir einmal ein paar Jahre vor im Leben des Sören F.. So lernte er als Studierender der Wirtschaftswissenschaften zum Beispiel früh, den Menschen als eigeninteressiert zu sehen. Jeder rationale Mensch würde demnach eigeninteressiert handeln. Das hört wohl so ziemlich jeder Student in den jeweiligen Einführungsveranstaltungen und diese Annahme wird, selbst wenn es einige Ungereimtheiten gibt, gegen jegliche Einwände verteidigt. Ist ja nur eine Annahme. Im Wesentlichen war doch nichts falsch daran, den Menschen als eigeninteressiert zu betrachten. 

Wenn er es gut mit dem Universitätswesen meinte, könnte man wohl sagen, dass das geschah, um die Studenten nicht zu früh zu verwirren — keine unnötige Komplexität, sind ja alles nur Modelle; wenn Sören es — wie immer häufiger vorkam — aber nicht so gut meinte, dass das ziemlich falsch, eigentlich verwerflich und ganz und gar nicht Sinn der Sache dieses Studierens sei, wenn man interessiert daran war Menschen zum Denken zu bringen. 

Später lernte er dann, wie das Verhalten von Menschen beeinflusst wurde, indem man ihnen erklärte wie die Welt war und wie schnell das dann weitreichende Konsequenzen haben konnte. Im konkreten Fall, dass Studierende der Wirtschaftswissenschaften nach einer dieser Vorlesungen, die ihnen lehrte wie sie waren, eigeninteressierter handelten als dies zuvor der Fall gewesen war. So etwas nennt man dann auch eine selbsterfüllende Prophezeiung. 

Als selbsterfüllende Prophezeiung erklärt die Annahme das Verhalten der Menschen nicht nur, sondern beeinflusste es auch. Aber mehr noch: im Fall unserer Annahme herrschte bald so ein breiter Konsens über die Richtigkeit dieser Annahme, dass sie schon bald nicht nur das Verhalten einige Studierender, sondern ganzer Kulturen beeinflusste. Bald schon waren auf dieser Annahme ganze Wissenschaftsgebiete aufgebaut, renommierte Theorien basierten darauf; man fand sie in der Management-Literatur, Spieltheorie und Volkswirtschaftslehre, in Zeitungsartikel, bald wusste auch der Laie um sie — so war der Mensch nun einmal. 

Wenn so dann bald eine ganze Kultur annimmt, dass ein rationaler Mensch eigeninteressiert (und ein eigeninteressiert handelnder Mensch rational) handelt, dass also ein rationales Gegenüber das andere ausnutzen wird, wenn es nur die Chance dazu bekommt, wird bald niemand mehr uneigennützig handeln und unsere Prophezeiung hat sich eben selbst erfüllt; ein neues Naturgesetz ist entstanden, das auch wie ein solches in der Welt waltet: Wir haben den eigeninteressierten Menschen. 

Solch ein Naturgesetz mit all seinen teils unerfreulichen Konsequenzen war entstanden, weil Annahmen als Tatsachen gelehrt wurden, Widersprüchlichem kein Raum gegeben wurde und für den jungen Sören spielten die Menschen, die so überzeugt von ihren Lehren gewesen waren, da eine wesentliche Rolle. 

Angesichts dessen fand Sören es nicht zu viel erwartet, in Zukunft zumindest ein wenig besser aufzupassen, jene erste Irrtümer zu begehen und schon früh Theorien kritisch zu hinterfragen. Es war doch nur logisch — und für diese logischen Schlüsse bräuchte es noch nicht einmal allzu vereinfachenden Annahmen — , dass solch erste Irrtümer oft tausende nach sich zogen, wenn man begann weiter auf ihnen zu bauen. So fand er es nicht zu viel erwartet, dass doch zumindest die begabtesten und viel begabteren seiner Kommilitonen, vorsichtiger in ihren Schlüssen sein würden. 


Sieben, acht Monate später hörte Sören dann einen weiteren Professor zu einer neuen Theorie referieren, die jetzt sogar den Nobelpreis bekommen hatte. 

Sie würde das Verhalten der Menschen wieder einmal hervorsagen — genauer: das Zustandekommen von Preisen auf Auktionen würde diese Theorie mathematisch (also untrüglich) hervorsagen. Nun war diese Theorie leider nicht dafür geeignet, auf jeder Auktion die Preise hervorzusagen, aber zumindest für die größeren Auktionen, für die professionellen Auktionen, genauer: Auktionen, auf denen Menschen boten, die die entsprechenden Theorien kannten. Da funktionierte sie hervorragend.

Weder für diesen Professor, noch für die Überflieger unter seinen Kommilitonen, schien das aber ein Problem zu sein. 

Spätestens dann war es zu viel für Sören gewesen. 


Nach und nach sah Sören immer öfter, wie es die Menschen, die immer fleißig richtige Antworten gaben, nicht zu stören schien, dass ihre ganzen Antworten hinter ihnen wie das berühmte Kartenhaus zerfielen; ja, dass sie trotzdem weiter mit der gleichen Überzeugung ihre Antworten schmetterten und sich gegenseitig noch darin bestärkten; schlimmer: immer öfter sah er sich und sein früheres Verhalten, all seine großen Leistungen im Lichte dieses unvorsichtigem Voranschreitens. Und Sören schämte sich. War er etwa einer von diesen Menschen? 

Nein, das wollte er nicht sein. 

“Ich bin doch nicht diese Art von Mensch.”, “Ich bin doch nicht diese Art von Mensch.”, wiederholte Sören immer wieder.

Dieser Satz hatte also in den späten Schuljahren begonnen Form anzunehmen und wurde spätestens mit den Erlebnissen der Studienzeit immer konkreter und ein wenig handlungsfreudiger. 

Nun… und ich kann natürlich nur vermuten, aber ich vermute, dass da Sören zum ersten Mal ein wenig Sören, wenn man so wollte: einen ersten Nachhall, ein erstes Aufbäumen seiner selbst, entdeckte.


Aber nur, weil man beginnt sich zu entdecken, heißt das noch nicht, dass man nun gleich weiß, wie es nun weitergehen soll; zunächst reißt einen das Schwungrad der eigenen Existenz noch immer weiter in die meist vor langer Zeit eingeschlagene Richtung. In Sörens Fall stand dann der riesigen Schwungmasse eines bisherigen Lebens nur ein kleiner, schamvoller Gedanke entgegen: “Ich bin doch nicht diese Art von Mensch.”

… F*ck. 

Noch immer von der gespeicherten Energie mitgerissen fand sich Sören daher zunächst die meisten Stunden seines Lebens weiterhin auf allerlei Irrwegen, immer weiter vom eigentlichen Sören entfernend, zielstrebig in die falsche Richtung gleitend. 

Vielleicht kennt der werte Leser ja das Gefühl, wenn man große, breite, belebte Straßen hinuntergeht, sich umsieht und denkt: “So will ich niemals werden.”, man sieht zum Obdachlosen über den Lüftungsschächten: “So will ich niemals werden.”, und dann beschleunigt der Mercedes zur Linken: “So will ich niemals werden.”. 

Einige werden dieses Gefühl wohl kennen, wer alleine gerne beobachtet oder unsicher und mehr von Scham als von Wut oder Angst getrieben ist, wird dieses Gefühl wohl kennen. Mit diesem Gefühl war Sörens kleiner Gedanke zu vergleichen; wie gesagt, es war ein schamvoller Gedanken, denn Sören sah sich in jedem der Gesichter, die da an einem vorbeizogen; jedem der Gesichter, die da vor ihm erklärten wie das Leben oder der Mensch denn sei. 

Bei manchem Leser, der dieses Gefühl kennt, verschwindet es aber vielleicht nichtsdestotrotz in großen Massen, auf Demonstrationen, auf Festivals… unter Gleichgesinnten — dort war doch der Geist der Gemeinschaft, der ein wohliges Gefühl verbreitete. Manch einem Leser wird es dabei aber vielleicht auch so gehen wie Sören, für ihn intensiviert es sich meist bis ins Unerträgliche und dann muss er ausbrechen. Ausbrechen. 

So ein Gefühl kann einen dann vorantreiben, zu sich selbst treiben, ab-lenken vom einmal eingeschlagenen Weg; ebenso kann es aber wohl auch einfach lange unterirdisch in einem wüten und dann, wenn der Druck einmal zu groß geworden ist, den Protagonisten dieses Lebens in die Straßengräben der Stadt treiben. 

Den ein oder anderen mag es schon gegeben haben, den dieses Gefühl aus dem sicheren Zusammensein, vom Erzählen lustiger Geschichten und belangloser Anekdoten nachts auf die Straße getrieben hat, und manch einen mag es dann wie Hans Giebenrath ergangen sein, den man am nächsten Morgen treibend im Fluss fand. Viel zu jung, er war betrunken gewesen, ein tragischer Unfall. 

Was war geschehen?

Aber wie gesagt: nicht jeder endete im Straßengraben und noch weniger treibend im Fluss. Sören fand genug Zeit für sich und ein paar Menschen, mit denen er seine Zweifel und Ängste teilen konnte, und so lenkte ihn dieser Gedanke nach und nach eher wie ein melancholischer Spaziergang ab: Manchmal war das schön, manchmal unschön schmerzhaft. Seine vorwegnehmende Vermutung — skeptisch gegenüber Annahmen und richtigen Antworten; vor allem gegenüber all der Menschen, die sich ihrer Sache sicher waren, zu sein — war da nur ein kleiner Teil von diesem Gedanken oder es war ein Aufbau dessen, wer weiß das schon… im Wesentlichen wollte er einfach nur so nicht sein; weg davon. 


“So bin ich doch nicht.” “So bin ich doch nicht.”


Vielleicht versteht der Leser so nun auch Sörens Schwierigkeiten, sich dieser vagen Vermutung hinzugeben: Das sollte nun also so ein erster Ausdruck seiner Selbst sein — ein ‘so nicht’? 

Was war er denn dann bitte für ein Mensch, wenn er überall nur fand, wie er nicht sein wollte? 


Ich will dem Leser an dieser Stelle gar nicht mit allerlei Umschreibungen vorgeben, wie es sich anfühlt in einem Abstoßen den ersten Teil seiner Selbst zu finden (oder zu finden zu glauben) und welche Zweifel dies gerade bei den unsicheren Gemütern nach sich zieht. 

Ich denke, wenn der Leser sich kurz in Sörens Lage versetzt, hat er alles, was es braucht, um die Zweifel an sich und diesem abgelenkten Weg kennenzulernen. Vielleicht hat man auch alles was es braucht, um zu verstehen, warum die meisten mit gutem Grund nicht die Einsamkeit und das Fühlen dieses Abstoßens wählen, sondern sich weiter vom Schwungrad mitreißen lassen bis das Gefühl verstummt.  

So haben wir nun bereits einen festen Anhaltspunkt, warum es Sören schwer fiel eine Richtung für sich zu bestimmen und “zu sich” zu finden — wie denn, wenn das doch hieß, weg von allen anderen zu sein. 

Wir werden sehr bald noch einen weiteren Grund für seine Zweifel kennenlernen, der mehr darin besteht wie vage denn die Dinge waren, die er da in sich fand und die vielleicht ein Hin zu etwas sein könnten; aber zunächst möchte ich noch kurz ein paar abschließende Bemerkungen zu Sörens vorwegnehmender Vermutung machen. 

Wir haben nun also gelernt, wie es zu Sören F.s Skepsis gegenüber Menschen mit starken Überzeugungen, gegenüber Maßstäben, Annahmen und richtigen Antworten kam. Er lernte und wo alle immer überzeugter wurden, wurde er unsicherer.

Antworten fand Sören so natürlich kaum und erstmal ging es für Sören nur um sein kleines Leben und, dass er so nicht sein wollte; aber als Sören diesen Gedanken weiterführte, bekam er einen Vorgeschmack darauf, was ihm die buddhistischen Mönche sagen wollten, wenn sie davon sprachen, dass mit Worten nicht das Wesen der Dinge auszudrücken war; um es mit einem wohlbekannten Kōan zu sagen: “Meister, hat der Hund die Buddha-Natur?”, “Ja!”, antwortet der Meister; eines anderen Tages fragt ein anderer Schüler: “Meister, hat der Hund die Buddha-Natur?”, “Nein!”, antwortet da der Meister; mal fragt ein dritter Schüler und der Meister schweigt. 

Und vielleicht lässt das den Leser auch verstehen, warum Sören nicht mit Maßstäben gemessen und Attributen belegt werden wollte; und im vermeintlichen Wissen von richtig und falsch gefangen leben wollte. Ich verstehe, wenn das für den ein oder anderen Leser schwer zu verstehen ist, gerade, wo das mit der Intelligenz — ein solcher Maßstab — doch gut gemeint war; wo so ein “kleiner Professor” — ein solches Attribut — doch ganz süß sei, aber… nun, jetzt ist genug gesagt… vermutlich beginnt der Leser bereits zu verstehen; und da will man ihm nicht mit unnötigen Sätzen reinfunken. Wie manch Sätze oder auch Kōans aufschrecken und mit ihrem Aufschrecken sehr hilfreich sein können, können sie manchmal auch mehr behindern. Denn bekanntlich muss man manchmal auch in die Stille der Gärten gehen, den Kopf ruhen lassen, erstmal ein wenig vergessen und dann ist’s vielleicht der Stein, der an der Harke klimpert, oder ein zunächst schmerzhafter Stich im Innern, der einem eine Wahrheit flüstert.


Und ich weiß auch, dass man ohnehin nicht umhinkommen sich immer wieder derlei Konzepte zu überlegen, sie im Alltag zu gebrauchen und sie auf den ein oder anderen anzuwenden, aber Sören wollte eben, dass die Leser seiner Geschichte ein wenig vorsichtiger in ihrem Anwenden waren; gerade, wenn die Aufbauten höher und immer höher wurden, dass die Spitze schon fast bis zum Himmel reicht, so weit, dass es bald schon gar nicht mehr möglich war, seine Annahmen noch einmal zu überdenken, weil dann ein viel zu großer Turm zusammenfallen würde.


Abschnitt 2: Wo ist denn nun dieser Sören?

Ich denke, lieber Leser, nun haben wir uns zur Genüge mit Sörens vorwegnehmender Vermutung beschäftigt. Und vielleicht hältst du Sören nun für einen Skeptiker, der jede Annahme bis ins Kleinste zu hinterfragen verlangt, weil sie sich ja doch so leicht als falsch oder auch als nicht lediglich beschreibend entpuppen kann und du siehst darin nun den Weg hin zu seinen Kleinoden. 

Ich muss dich aber leider enttäuschen, lieber Leser. 

Es war wohl vielmehr so gewesen, dass ihn dieser riesige Irrtum so erschütterte, weil Sören von sich aus erschreckend wenig bewusst hinterfragt hatte. 

Und er hatte so wenig hinterfragt, wo er doch eigentlich ein gutes Gespür dafür hatte, wenn etwas im Argen lag. 

Daher werden wir uns jetzt der Traumwelt zuwenden — in gewisser Weise dem, was reines Gespür mit möglichst wenig von allem anderen ist und die Worte, mit denen Sören von seinen Träumen spricht, werden uns dabei einen weiteren inneren Zwist Sörens zeigen. 


Einige von Sörens Freunden versuchten sich am luziden Träumen, aber Sören freute sich über jeden Traum, oft auch (manchmal gerade) über Albträume, und je weiter Träume von der Realität und deren Gesetzen entfernt waren, desto besser; nichts stand ihm ferner als auch noch seine Traumwelt kontrollieren zu wollen.

Er fand es gerade reizvoll, sich hier einmal wirklich selbst ausgeliefert zu sein, für seine Träume konnte er nichts und da sein Wirken dort nichts im wirklichen Leben veränderte, konnte er dort einfach loslassen und sich ganz den inneren Bildern ergeben.


Trotzdem hielt sich Sören nicht für einen großen Träumer — auch nicht für einen großen Denker — er wäre beides… und wenn schon nicht beides dann zumindest eines von beidem… schon gerne gewesen, aber: man musste ja nur einmal hinsehen, um zu erkennen, dass er es nicht war; leider konnte er seinem Kopf weder die Gedanken eines großen Denkers, noch die Bilder eines großen Träumers abgewinnen; im besten Fall konnte er nur müde über ihn Lächeln. 

Irgendwo hatte er einmal gelesen, wie die Lippe eines alterslosen Jünglings über die Welt, die ihn mißversteht lächelt. Ja, auch Sörens Lippe lächelte über die Welt, die ihn mißverstand. Und Sören vermutete, dass es dem alterlosen Jüngling und ihm da sehr ähnlich ging: die Welt missverstand nicht nur ihn, sondern eben auch sein Lächeln.

Nun… aber zurück zu den Träumen.

Oft war es Sören als steckte er eigentlich den ganzen Tag in einem Traum; nur, dass die Eindrücke seines Wachseins ihn abhielten, die Bilder wahrzunehmen. Sein Empfinden hingegen war vom Traum gesteuert; um seinen Traum nun aber auch wirklich sozusagen bewusst unbewusst sein Handeln steuern zu lassen — Sören hoffte so vielleicht mehr er selbst und glücklicher zu sein — , war er, so glaubte er zumindest, weder Träumer noch frei genug.

Nur, um auf sich zu hören, war das alles viel zu vage, all diese Bilder, Ideen und Empfindungen. Vielleicht war es das Schwungrad, das ihn mit riss, weg von dieser inneren Welt; vielleicht war diese innere Welt und das, worauf er hoffte, dort zu finden, auch … eben nur ein Traum, wie sollte man basierend auf so wenig Greifbarem irgendeine Richtung für sich ausmachen? 

Sören war also zunächst einfach weiter auf seinen alten Pfaden, mitgerissen von dem übergroßen Schwungrad, geblieben. In so einem Zustand kann man über Jahre bleiben, selbst wenn man doch eigentlich bereits ahnt, dass man in eine ganz falsche Richtung läuft. 

Und so lebte auch Sören weiter sein Leben… ein Jahr verstrich, ein weiteres Jahr verstrich… ab und an steckte er dabei für ein paar Tage oder Wochen immer wieder in einem Albtraum fest. Ein solcher wäre ihm, wie gesagt, bei Nacht sogar willkommen — mit all den fantastischen Eindrücken, den pulsierenden Herzen, aufgerissenen Augen in der Finsternis und dem Siechen in feucht-warmen Laken… nur tagsüber konnte man mit all dem Empfinden ohne die dazugehörigen Bilder nur wenig anfangen, weil die Wirklichkeit ihn einschloss und wie jenes lästige, klebrige Stück Leinen, über der wunderschönen, großen, erhabenen Weite der Welt der Träume klebte.

Trotzdem beschäftigten ihn die Gedanken zu seiner inneren Welt und seinem inneren Traum weiter. Sören vermutete, dass sein Traum nicht nur nicht einverstanden war mit seiner Richtung, sondern wenn er noch ein wenig tiefer hörte mit der öden Welt, die er tagein tagaus betrachten musste und die immer weniger für ihn bereithielt. Nur, was sollte man dagegen tun? 

Darüber konnte man natürlich Vermutungen anstellen und in seiner neu gewonnenen Skepsis gegenüber den Annahmen seiner Welt, glaubte er, dass diese immer mehr von öden und immer öderen Annahmen, die wahrer und immer wahrer wurden, bestimmt wurde. Aber so einfach ließen sich derlei Schlüsse natürlich nicht ziehen. Vermutlich war es ohnehin einfach nur Sörens, ganz persönliches, kleines Problem, das er einfach nicht lösen konnte, weil er nicht aus seinem selbstgebauten Gefängnis entkam. Vermutlich wollte ihn sein Traum nur darauf hindeuten, nicht auf irgendetwas Größeres. 

Wenn man sich nun aber an einem gedanklichen Mischweg versuchen würde… ja, könnte man da nicht vielleicht fragen, was wäre, wenn die Seele eines Menschen, der das Gute zu wollen glaubt, ja es gar zu tuen glaubt… wenn die Seele eines solchen Menschen die Schäden, die er ihr beim Tuen des Schlechten zufügt, spürt…wenn die Seele eines Menschen also ihre Schäden spürt… ja, wenn sein Tuen ihr selbst dann noch Schaden zufügt, wenn er das Schlechte, geblendet durch ein vermeintlich Gutes, nicht als solches erkennt?

Ja, was wäre, wenn besonders sensiblen Menschen ihr Traum die Rufe ihrer Seele mitzuteilen versuchte? 

Wie ein Ödipus, der nichts von seiner Schuld wissen konnte; wie eine Antigone, in der sich die Schuld einer Familie zum traurigen Höhepunkt sammelt. 

Ja, was wenn er so ein Held war; so ein Held, dessen Seele solch einen verborgenen Kampf austragen musste, mit einer unbekannten Schuld, die ihn überwältigte und in deren Tiefen er verloren- und unterging; die er sich zwar selbst auf die Schultern gelegt hatte, von der er aber nichts geahnt hatte, die er also noch nicht einmal kannte und unter der er nichtsdestotrotz leiden musste; wenn er eingebettet in ein System und Glaubenskonstrukt lebte, dessen Gutes bereits in eine falsche Richtung abgedriftet war? 

Ja… was wäre wenn? 

Mit solchen Gedanken schlug sich Sören, mehr unbewusst als bewusst, herum. All das war natürlich sehr abwegig, unerklärlich, an den Haaren herbeigezogen, aber alles was ihm für richtig verkauft wurde, war ihm mindestens eben so abwegig, unerklärlich und an den Haaren herbeigezogen wie solch antike Seelenlehre. 

Dennoch schritt er, vom Schwungrad gezogen, weiter in die vermeintlich richtige Richtung. Sein Traum blieb aber bei ihm, verließ ihn nicht. Und nach einer besonders lang anhaltenden Phase der Öde suchte Sören dann eben einen Psychologen auf.


Ich nehme es vorweg: Es war ein kurzer Besuch.

Der Psychologe hatten ihn bereits nach wenigen Minuten, in denen er ihm sein Anliegen erklärt hatte, wieder weggeschickt: “Junger Mann”, hatte er gesagt — Sören war gerade 27 gewesen — “zu mir kommen Menschen mit Narben an den Armen, die versucht haben sich umzubringen, die keinen Job haben und nicht unter Menschen können. Sie haben keine Probleme.”

Und so war Sören wieder gegangen. Er hatte also keine Probleme. Es war doch alles in bester Ordnung in seinem Leben. 

Nun, das hatte er ja selbst bereits gewusst. Er hatte allerdings keinen Sinn darin gesehen, dem älteren Herren zu erklären, dass Sören seine Mitmenschen eben auch nie verstanden hatte.


Und auch dessen schämte sich Sören. Er wusste, dass seine Mitmenschen etwas verstanden, das er eben einfach nicht verstand, wo er einfach nicht dazugehörte. Er glaubte nicht, dass sie wirklich wussten was sie taten — dazu musste man nur einmal hinsehen. Aber sie taten so viel unüberlegt, unbegründet und von irgendwelchen (ihm vollkommen rätselhaften) Annahmen beseelt; taten etwas, für das sie in ihrer sonst so vernünftigen Welt gar keine Erklärung zu brauchen schienen, sodass Sören einfach nicht umhinkam auch sie als eigentlich Träumende zu sehen; ja, dass er all ihre vernünftigen Worte mißverstanden belächelte.

Sörens Problem war nur, dass die anderen eine Traumwelt zu teilen schienen; eine Traumwelt, die ihnen bestimmte, was das Leben lebenswert machte. So mussten sie diese aber niemandem erklären, denn — wenn sie auch alle nichts von ihrem Träumen Tag um Tag mitbekamen — steckten sie ja doch immerhin alle in der gleichen Traumlandschaft, mit den mehr oder weniger gleichen verwirrenden Gesetzen, Bergen und Abgründen; einst sogar: Wanderpfanden entlang Bächen, blickend auf ferne Schlösser; mit Ratschlägen von weißen und schwarzen Hexenmeistern; mit den immer gleichen Kellern und Symbolen, die sie nach und nach verloren, die Bäche trockneten aus, die Hexenmeister wurden grau und alt, krächzten bald nur noch, erschienen als Karikaturen ihrer Selbst, die Keller versanken in unzugänglichen Tiefen. Dennoch teilten Sie sich zumindest noch eine Traumlandschaft, wenn Sie auch blind für sie waren.

Nur Sören hatte seine andere Traumlandschaft, in der er sich bewegte; die er aber ebenso wenig erklären konnte, wie die anderen ihm ihre Traumwelt erklären konnten.

Dort verborgen sich auch andere Gedanken und Träume, die wir hier nun aber nicht mehr weiter beleuchten. Wir werden nun nur noch kleine Ausschnitte daraus kurz anschneiden, aber eben langsam zum Ende unseres Porträts kommen. Dieses Ende wird, so befürchte ich, den Leser wohl nun auch nicht viel schlauer machen, vielleicht auch einfach noch ein wenig mehr verwirren, vielleicht aber auch ein paar Dinge noch einmal verdeutlichen. 

Dennoch fragen wir uns zunächst: Wo war Sören denn nun hin auf dem Weg? 

Wenn er irgendwann anfing größer zu denken, war das dann vielleicht der Weg hin zu einem einem goldnen Zeitalters nachhängenden Utopisten?, dessen Utopie gleichermaßen urwäldischen Riesentieren, treue Bauern, Gleiter, alchimistischen Labore und Raumschiffe vorsah, dessen Utopie keine klinische Reinheit, sondern Krankheiten und Insekten vorsah, wo man nie in eine Richtung, nein, immer mindestens in zwei Richtungen schritt… wo die eine Richtung dabei hin schritt, die andere fort schritt; und schreiten wäre in so einer Utopie dann mit Sicherheit auch das falsche Wort, dort ging man mehr; ja, war er im Begriff die Utopie eines Zweiflers, eines Zurückgebliebenen, eines Spaziergängers, zu entwerfen, die ja ohnehin nicht mithalten können werde mit der überzeugt schreitenden Utopie seiner Artgenossen, Frühstarter und Schnellentwerfer. 

Konnte das sein Weg sein? Wie sollte das letztlich unseren Jüngling zu einem Mann des Kalibers eines Sörens — wie wir ihn zu Beginn unserer kleinen Abhandlung kennengelernt hatten — machen? Was fehlte da noch? Auf all die Fragen wird unser Ende nun wohl keine Antworten liefern. 


Abschnitt 3: Ende

Eines Tages sah Sören ein Mädchen gedankenvoll auf einer Parkbank sitzen und Sören… Sören und die Mädchen. 

Um zu verstehen, welche Rolle die Frauen in Sörens Leben spielten — eine Schlüsselrolle, die (auch, wenn auf diese Verbindung leider nicht weiter eingegangen wird) streng mit der Rolle der Musik in Sörens Leben vernetzt ist — … um die Rolle der Frauen in Sörens Leben nun also zu verstehen, hilft es dem Leser vielleicht zunächst zu erfahren, dass Sören beispielsweise nie ein sonderliche politischer Mensch gewesen war. 

Vermutlich hatte sich der Leser das, selbst wenn wir nun kurz den Weg eines Zweifler-Utopisten Sören zeichneten, bereits gedacht. Wie sollte auch ein Mensch, der sich unter Menschen so schnell abgestoßen fühlt und schamvoll die schlechten Seiten dieser Menschen in sich sieht, sich jemals einer politischen Bewegung anschließen oder gar eine begründen? 

Dennoch hatte es Phasen in Sörens Leben gegeben, in denen er belebt über Politik diskutiert hatte, sich gar die eine oder andere Nacht damit um die Ohren gehauen hatte. 

Und auch hier war der Auslöser eben eine Frau gewesen. Mit ihr hatte es ihn gereizt, sich zu streiten, sich ihre kruden Theorien anzuhören und sie hatte in ihm sicherlich ein wenig politischen Sören geweckt. Und diese junge Frau half ihm auch dabei, etwas anderes zu verstehen; etwas, das dieses Ende nun, wie ich finde, so fragwürdig und dennoch passend macht. 


Es war nämlich so gewesen, dass Sören zu einem bestimmten Zeitpunkt in seinem Leben zu einem Entschluss gekommen war: Wenn er sich auf den ersten Blick in ein Mädchen verliebte — das kann über Monate und Jahre hinweg nicht einmal geschehen und dann an einem Tag zwei, ja drei Mal — , wenn sich Sören also auf den ersten Blick in ein Mädchen verliebte, dann würde er sich aufs Weitere fern von diesem Mädchen halten. Ja, mehr noch, er mied allgemein Situationen, wo er solche Mädchen kennenlernen würde, wo er sich in so eine Gefahr bringen würde. 

Selbst hätte er das natürlich abgestritten, er hätte allerlei strenge und ernsthafte Bemühungen angeführt, sich zu verlieben und und und… aber er tat genau das: Er hielt sich möglichst fern von diesen Mädchen, mied zielstrebig jedwede Art von Zufall. Und für eine Weile war dies ein folgenschwerer Entschluss gewesen. 

Wie war es dazu kommen? 

Nun zunächst natürlich die üblichen Schmerzen der Liebe, aber über die ist so viel geschrieben worden und wird an anderer Stelle auch weiter geschrieben werden, dass wir es hier nicht noch einmal anführen müssen. Darüber hinaus war es aber so gewesen, dass wenn sich Sören, wie zuvor angedeutet, auf den ersten Blick in ein Mädchen verliebte, es einfach zu oft geschehen war, dass solch ein Mädchen nun… wie soll man sagen… genau die Musik über alles liebte, die man ihr ansah, dass sie liebte; sie rauchte, tanzte gern und genoss das Leben — und war weg davon gekommen, weshalb sie (so hatte es ihr Sören zumindest unterstellt) begonnen hatte zu rauchen, zu tanzen und das Leben zu genießen, sie hatte es… je nach Perspektive vergessen oder Besitz von sich ergreifen lassen — ; ein nächstes Mädchen liebte dann Picasso für seinen grenzensprengenden Mut, Nietzsche für sein radikales Denken, den Don Juan für sein verruchtes Wesen; ein nächstes Mädchen enttäuschte, wo man ihr bereits ansah, dass sie enttäuschen würde; besonders schmerzlich: viele leisteten bald schon nur noch eines gewissen, noch nicht ganz verloren gegangenen Anstandes wegen Widerstand; ja, diesen echten Widerstand, diese weibliche Hingabe hatten sie bereits fast gänzlich in Fantasielosigkeit, in abhanden gekommener Schamesröte, in Regungslosigkeit erstickt.

Ja, da war dieser erste bezaubernd, wunderschöne Anblick gewesen, aber es war zu oft geschehen, dass so ein Mädchen, das doch… zuvor noch zum Verlieben schön gewesen war, dann eben bei genauerer Betrachtung… 

… dort hatte Sören schon zu oft ein hinausgestochenes Stück Seele zurücklassen müssen; ein Stück, das dann dort abgestorben und verendet war; ein Stück, das er aber doch so gerne als Pflänzchen gedeihen hätte sehen wollen, ein Stück, das er gerne als Geschenk, als eine ungewöhnliche Geschichte weiter erkundet hätte.

Selten, ja man konnte sagen beinahe nie traf Sören einmal ein Mädchen, das eine bestimmte Musikrichtung über alles liebte, sich aber immerzu missverstanden fand von denjenigen, die diese Musik auch liebten; ein Mädchen, das einfach nicht reinpasste in die Orte, an denen sie sich rumtrieb, wo sie gerne war; oder… ein schönes Mädchen, ein wunderschönes…, ein Mädchen, das etwas vom Leben verstand — dem man schon ansah, dass sie schon in so jungen Jahren etwas vom Leben verstanden hatte — , ein Mädchen also, das gerne tanzte, früh begonnen hatte zu rauchen, sich abends auf einen Kaffee traf, ein siebzehnjähriges Mädchen, das auf die Frage, ob die Menschheit ewiges Leben anstreben sollte, nur müde lächelte, … ein nichtsdestotrotz fleißiges Mädchen, das darüber hinaus ein kleines, unschuldiges, hauchdünnes, ja zerbrechliches Geheimnis hatte, um das niemand wusste… und das, wenn man es über dieses Mädchen wüsste, das ganze Mädchen in ein komplett anderes Licht rücken würde, ein stolzes Mädchen mit einem noch stolzeren Geheimnis… ; oder… nehmen wir ein drittes Mädchen, welches die Bilder eines gewissen Künstlers auf eine ganz bestimmte Weise bezauberten, diese Weise findet nun aber in keiner Kritik je Erwähnung und jeder auch nur laienhafte Kenner dieses Künstlers könnte sie, unser Mädchen, mit Leichtigkeit ihrer Unwissenheit und ihrer Unverständnis des eigentlichen — ja, siehst du es denn nicht, liebes Mädchen?!… Nein, sie sah es nicht. — Werks des Künstlers überführen, doch sie bezauberten diese Bilder einfach und sie glaubte, dass keiner jener Kenner ihres Künstlers auch nur je den Witz gefühlt hatte, mit dem er sie alle, alle diese analytischen Denker, hinters Licht geführt hatte — alle außer sie, die nun aber wiederum niemand verstand… doch sie leistete Widerstand; … solche Mädchen… in solche Mädchen, verliebte sich Sören und er tat es gern; zwar trieben sie schmerzhaft Wurzeln in seine Seele, aber wenigstens waren sie schön, wenigstens trieben sie Wurzeln… lebendig… und wenn sie ihn verletzten, was sollte das denn daran ändern?; das ließ die Wurzeln nur ein wenig tiefer treiben und war das nicht Sinn? Sie waren ein unerschöpflicher Quell an Lebensweisheiten und Lebenskraft. Ja, in solche Mädchen verliebte sich Sören und er tat es gern, sie waren lebendig und schön.

Nur, wo fand man solche Mädchen? Nur der Zufall spielte sie einem — wie eine Flaschenpost — zu; da gab es nichts zu drehen, da gab es nichts zu hoffen, da gab es nichts zu tun, da gab es keine Fragen nach Herkunft oder Art des Treffens zu stellen. Eines Tages erwachte man, wie Hesses Goldmund, in ihrem Schoß und dann… 


Marco (Überall, wo Lindemänner Briefe über verwelkende Blumen schreiben und in ausgebettete Briefkästen von betrogenen Fremden werfen.)


Anmerkungen und weiterführende Informationen

  1. Paper zu der selbsterfüllenden Prophezeiung des Menschen als eigeninteressiert:
    Miller (1999) “The norm of self-interesthttps://pdfs.semanticscholar.org/eaf9/b29c0c65560755e12e77889e36602251bc6a.pdf (Wenn der Link nicht mehr funktioniert einfach googeln)
  2. Das mit dem immer Träumen, nur tagsüber ist das von dem Bewusstseinsstrom überdeckt, ist, glaube ich, aus “Erinnerungen, Träume, Gedanken” von C.G. Jung; und in “Morgenröte” von Nietzsche ist dazu, denke ich, auch mal was vermerkt.*
  3. “sein Lippe lächelt über die Welt, die ihn mißversteht” natürlich, wie so ungefähr der ganze Text eigentlich von diesem Sören Kierkegaard und seinem “Entweder — Oder” ❤.
  4. Ein Spiegelartikel zur Erbsünde (hier “Schändliche Fleischeslust” (vom 05. April 1971)), aber dazu auch recht viel bei SK (z.B. in “Der Begriff der Angst” (habe ich nur angefangen, dann weggelegt)), bei CG Jung und bei Dostojewski (Die Brüder Karamasow). 
  5. Das Kōan ist aus “Schlüssel zum Zen” von Thich Nhat Hanh. Übrigens: Wie laut riecht die Sonne? — Antwort: zu laut^^ (Mogwai — The Sun Smells Too Loud).
  6. P.S.: Ein paar Prezident Anspielungen sind auch mit drin. 

*Ich versuche recht häufig anzumerken, von wem jetzt irgendein Gedanke in irgendeinem Text von mir ist, weil ich weiß, dass viele davon eben nicht von mir sind, sondern nur mal irgendwo aufgeschnappt. Ich glaube aber nicht, dass mir das auch nur ansatzweise immer gelingt. Deswegen tut es mir (nur aufgrund moralischer Bedenken, nicht wegen rechtlicher (, weil ich denke, dass da nichts zu befürchten ist)) leid, wenn ich manchmal Gedankenplagiat begehe, aber ich denke, dass die Urheber der Gedanken es im Zweifel auch einfach gut gefunden hätten, wenn sie weitergetragen werden und sonst hätte ich ja nichts zu schreiben. Worüber sollte man denn dann schreiben? Eigene Gedanken?! Pah!