Stahlträger vor der alten Pinakothek - München. "Don't swipe your life ... away"
Alte Pinakothek, München. 

Letztens war ich empört gewesen: Manuel* hatte sich Tinder geholt! 

*Der Name dieses Menschen wurde abgeändert. 

Das Problem war nun nicht, dass er sich Tinder geholt hatte, sondern dass ich das nur erfahren hatte, weil er mir dann in einer späteren Mittagspause erzählte, dass er sich mit einem Tindergirl getroffen hatte. 

Ich — guter Freund, der ich bin — rief da natürlich sofort: “Halt! Stopp!” 

Und erinnerte ihn, dass wir doch übereingekommen waren, dass Tinder schlecht, verwerflich, Teufelszeug sei und — do you remember?!? — , dass wir kein Tinder haben sollten. Natürlich war das kein feierlicher Eid gewesen, aber: eine mittägliche Deeptalk-Session!, was so einem Eid schon verdammt nahe kam. 

Wenn man dann also wieder zu einem anderen Entschluss kam (a.k.a. sich zu einem Menschen, der Tinder nutzt, machte), dann war im Idealfall noch vor Download der App der jeweilige Freund zu kontaktieren, um seine Handlung durchzusprechen. 

Wir sind aber alles Menschen. Deshalb war es auch ok, am nächsten Morgen (besser: in der folgenden, reuigen, schlaflosen Nacht) nach solch einer Affekthandlung auf besagten Freund (mich) zuzukommen und zu berichten, dass man schwach geworden war, nun wieder Tinder habe und sogar dabei bleiben würde. Dann konnte einem vergeben werden und man entließe mich aus dem Bund, der aus unserer Unterhaltung geboren ward. 

Man erzählte aber nicht einfach irgendwann, dass das vor unbestimmter Zeit (!) geschehen war. Man kam proaktiv auf seinen Eidgenossen zu!*

*Nein, Erwartungen haben überhaupt gar nichts damit zu tun, dass Manuel oder ich keine Freundin haben. 

Nun… sei es wie es sei. Die Katze war nun aus dem Sack, der Bund gebrochen und daher stellte sich mir nun wieder die Frage: Tinder oder Nicht-Tinder?

Zu solch essenziellen Lebensfragen sollte Man(n) sich bekanntlich seine persönliche Meinung schmieden; Man(n) sollte Meinung haben, die dann wie in Stein gemeißelt steht, und sich idealerweise in ein Gefüge solider und doch nicht zu starrer Lebensprinzipien einschmiegt; sollte sich in derlei Fragen nicht auf vermeintlich geschlossene Bunde berufen, sondern auf selbst ausgeklügelte Befunde, unumstößliche Tatsachen und endmoralische Richtigkeiten (Brandl, 2020).

Das folgt nun alles nicht, aber zumindest meine Antwort auf die Frage: 

Tinder oder Nicht-Tinder?  

Ich hatte Tinder zum ersten Mal mit 20 für wohl so ein Jahr, dann einige Jahre nicht mehr und nun wieder seit März 2020… mit gemischten Gefühlen… mit guter Ausrede: Corona und so, aber wohl nur ein wenig ‘Corona’ und viel ‘und so’.  

Mittlerweile soll Tinder sich geändert haben… neue ‘Use-Cases’ sind dazugekommen.

Auf allen [Dating-]Plattformen gibt es immer mehrere Use-Cases. Tinder beispielsweise wird von Leuten aus unterschiedlichen Gründen angesteuert — auch wenn viele das nicht vermuten. Unserer Nutzer sind etwa auf der Suche nach neuen Freunden, nach Kontakten in einer neuen Stadt oder nach ernsthaften Beziehungen.

Tinder Werbekampagne #SingleNotSorry
Mhm. Tinder-Werbekampagne. Bild aus diesem Beitrag. 

Tinder soll sich also verändert haben. Nicht mehr nur die Plattform für eine schnelle Nummer, sondern… mehr. 

Meme - Kaschperl

Und wie vor drei Jahren saßen zwei Dauersingles, Manuel und ich, wieder zum gemeinsamen Mittagessen in der Sonne. Heute: nicht wie damals im Englischen Garten, sondern vor der alten Pinakothek. Neben uns mit grünem Marker an den Stahlträger gemalt: “Don’t swipe your life… away”. 

Seit unserem Übereinkommen, kein Tinder mehr zu haben, von vor einigen Jahren hatte sich viel getan: Mittlerweile haben sowohl Manuel als auch ich die App wieder; mittlerweile hat eine meiner besten Freundinnen ihren Freund über Tinder kennengelernt, mittlerweile wohnen sie zusammen und mittlerweile verstehe ich, alter Romantiker, ein bisschen besser, dass es vollkommen schnuppe ist, wie man jemanden kennengelernt hat, solange es passt. 

War Online-Dating also einfach der zeitgemäße Weg jemanden kennenzulernen? Sollte man auf Online-Datingplattformen unterwegs sein? 

Vor dem Soll zunächst einmal die Frage nach dem Ist. Dazu gibt es eine recht aktuelle Studie: Disintermediating your friends: How online dating in the United States displaces other ways of meeting (Rosenfeld, Thomas, & Hausen, 2019). 

Das Ist — Basierend auf Daten von 2017 und aus den USA

Wie zu erwarten geht seit 1940 die Zahl der heterosexuellen Paare, die sich auf “traditionellem Wege” kennengelernt haben (Familie, Kirche, Nachbarschaft, Schule), stark zurück. Seit längerer Zeit waren deswegen gemeinsame Freunde der häufigste erste Berührungspunkt von späteren Paaren gewesen. Und noch 2009 hatten sich die meisten heterosexuellen Paare über Freunde kennengelernt. 

Spätestens 2017 hat die Kategorie “Online” der Kategorie “Durch Freunde” allerdings die Poleposition abgerungen. 

Tabelle: Veränderungen von Treffpunkten heterosexueller Paare
Tabelle 1 von Rosenfeld, Thomas & Hausen (2019)

Außer Online blieben noch folgende häufigste Treffpunkte (≥ 20%): 

  • In einer Bar/ im Restaurant
  • Und weiterhin: durch Freunde

Leider habe ich in der Studie nicht gefunden, was unter “Durch Freunde” zu verstehen ist, aber vermutlich haben sie das die Teilnehmer selbst entscheiden lassen und dann werden da wohl auch viele WG- und Geburtstagpartys mit dabei gewesen sein. 

War es also nicht besser jemanden online als im Halbdunkeln und leicht benebelt kennenzulernen? 

Online, wo man zunächst ein wenig schreibt, so schon mal abcheckt, ob es passt und… nun… ja Tinder ist oberflächlich, aber war man das bei Partnersuche im echten Leben nicht auch? 

Drei Punkte für Tinder also bereits: 

  • Ist doch egal, wie man jemanden kennenlernt… solange es passt. 
  • Tinder ist nicht mehr nur die App für eine schnelle Nummer. 
  • Die Alternativen sind ja auch nicht besser.  

Außerdem bietet Tinder ja auch eine große Auswahl, nicht? Eine viel größere Auswahl als einem die Bekannten von Freunden und Familie bieten, nicht?  

Casus Knacksus

Nun, ich servier’ den Käse mal vor dem Hauptgericht, nehm’ die Pointe vorweg, roll’ die Kuh vom Eis, dreh’ den Otter im Eisschrank: Ich glaube, diese riesige Auswahl ist ein Nachteil und für mich auch der Knackpunkt für mein Entscheidung, was ich denke, dass ich tuen sollte. 


Aber zurück zu Manuel und mir: Wir sitzen noch immer zusammen vor der alten Pinakothek und sprechen auch darüber, dass man bei jedem Treffen mit dem anderen Geschlecht das Gefühl hat, über einem schwebe ein ‘Könnte ich nicht noch einen Besseren finden?’. Und natürlich war dieses Schwert schon immer da gewesen, aber Tinder nagt schon gefährlich am Seil, indem es eine große Auswahl an (potenziellen) Matches suggeriert*. 

*Suggeriert oder aufzeigt… je nach persönlicher Glaubensrichtung.  

Und viele der Matches entpuppen sich dann sogar äußerlich als ein Gar-Nicht-So-Match, noch mehr innerlich… und auch das ist nichts Neues. Ich habe dazu schon einmal etwas geschrieben, was Instagram-Menschen und ihre echten Pendants angeht und eigentlich ist das ja eh klar, daher erwähne ich den Punkt hier nur noch einmal kurz: Es gibt — auch in unseren Tinder-Matches — den ein oder anderen Menschen, der auf seinen besten Bildern besser aussieht als in echt und darüber hinaus gibt es unsere Köpfe, die den unbekannten inneren Teil eines Menschen gerne mit ‘Oh, wow. 😍’ auffüllen. 


Und so sprechen Manuel und ich eben darüber, dass wir glauben, dass auch durch die große Auswahl (in Verbindung mit dem ohnehin weiterbestehenden Optimierungswahn) unserer Generation das Commitment fehlt. 

Das zeigt sich dann in etwa so: 

Ich treffe ein Mädchen (ja, von Tinder). Finde sie gut. Sie mich scheinbar auch. Wir treffen uns nochmal. Ich finde sie noch immer gut. Sie mich scheinbar auch. Yay! Aber… sie hat jetzt erstmal keine Zeit mehr: Prüfungen. Nay. Ein paar Wochen ziehen ins Land. Puh… paar Wochen. Wir haben uns doch erst zweimal getroffen. Dann Prüfungen endlich um und direkt: Urlaub. Puuh… und jetzt? Wenn sie sich wirklich treffen wollen würde, würde sie sich die Zeit schon nehmen, nicht? Aber… in der Zwischenzeit hat man, mehr aus Zeitvertreib als auf der Suche, doch noch weitergeswipt und mit ein, zwei Matches hat man ja noch, natürlich ganz spärlich und unverfänglich aber ein wenig, geschrieben, sich die Hintertür offen gelassen. Also treffe ich ein anderes Mädchen (ja, eben auch von Tinder). Ist ja nur ein Treffen. Das ist doch wohl ok. Nach zwei Dates. Ist ja nur ein Treffen, wird ja eh nichts passieren. Wir treffen uns. Es passiert nichts. Aber da war ja noch das Match mit dem Superlike… ‘Oh, wow. 😍’. Und sie, die Yay!-Nay.-Dame, die mir doch immer noch so gut gefällt, ist im Urlaub. Hat ihr Handy nicht einmal dabei. Verstehe ich ja auch. Ist schon gut so, aber da schreibt man dem Superlike-Match natürlich und wenn man dann eh schon dabei ist, swipt man halt ein wenig und schreibt halt noch mit einer anderen. Warum denn nicht? So läuft das halt. 

… Ja, so in etwa läuft das halt…  

… weil man mit Tinder halt immer eine große Auswahl an Alternativen hat. Und wenn irgendwo Unannehmlichkeiten auftreten, dann gibt es eben noch ein, zwei, drei womöglich interessierte andere, auf die man ausweicht anstatt mit den Unannehmlichkeiten umzugehen zu lernen. 

Versuchungen über Versuchungen. 

Aber auch das ist nichts Neues: Männer und Frauen haben sich immer noch Alternativen offengehalten, die dann beispielsweise in hoffnungsvoll gehaltene Friendzones geschoben wurden. Bei Tinder nimmt das nur eben eine ganz andere Dimension an, es braucht kaum Aufwand, um sich Alternativen warm zu halten und sollten selbst dort die Alternativen mal ausgehen, dann wird der Graf von und zu Match-Routine halt ein wenig rechtsgekrümmter*.

*Ich nehme Einsendungen von Skizzen oder Gemälden rechtsgekrümmter Grafen von und zu Match-Routine (idealerweise als .jpg oder .png) dankbar entgegen. 

Und es bieten sich eben Versuchungen über Versuchungen. 

Dabei plaudere ich hier nur über ein paar der Probleme bei den frühesten Anbahnungsstadien des ersten Aufbaus eines noch nicht als solches zu bezeichnenden romatischen Etwas’ — wo noch kaum mehr als ein bisschen Herzrasen passiert ist. 

Wenn es dann mal weiter geht, kommt in (fast) jeder wertvollen Beziehung (freundschaftlich, romantisch, sogar geschäftlich) irgendwann der Punkt, an dem man sich “zusammenraufen” muss, weil es nicht so mir nichts dir nichts passen wird (Brandl, 2020: Min. 44). Mit Tinder ist’s dann halt einfach zu sagen: Dann suche ich mir halt jemand anderen. 

Ergebnis: viele oberflächliche Beziehungen, kaum Kontinuität. 

Denn auch wenn die Qualität der Beziehung nicht im Zusammenhang steht mit der Art und Weise, wie sich das Paar getroffen hat (Rosenfeld, Thomas, & Hausen, 2019), so sind heute doch immer weniger Menschen in längeren Beziehung (Julian, 2018), wofür Online-Dating Plattformen wie Tinder auch ein Grund sein könnten.*

*Vermutlich sind da allerdings gesamtgesellschaftlichen Veränderungen (andere Werte, mehr Freiheiten, die zunehmende empfundene Wichtigkeit von Unabhängigkeit, usw.) die wichtigere Triebfeder. (Auch wenn ich mal behaupte, dass sich die persönlichen (und gesellschaftlichen) Werte stark an die durch neue Möglichkeiten resultierenden eigenen Handlungen anpassen. … Das finde ich wiederum nicht so ganz koscher (siehe unter anderem: hier) … aber… anderes Thema.)


Aber natürlich ist die große Auswahl, die vor allem den 20- bis 30-jährigen Frauen aber schon auch uns Männern suggeriert wird, nicht der einzige Grund, dass Manuel und ich uns von unserem Dating-Leid berichten. 

Es gibt noch viele andere persönliche Gründe, über die wir mittags dann auch sprechen: 

“Ich melde mich zu oft, bin zu anhänglich, wenn mir eine gefällt.”, sage ich und zeige ihm die versandten Bilder von gedrückten Daumen vor wichtigen Prüfungen. “Haha… du bist zu nett.”, sagt er. Dann paraphrasiert er Zan Perrions “The Alabaster Girl”: “Frauen verlieben sich nicht während man Zeit zusammen verbringt, sondern in der Zeit, in der man nicht zusammen ist; wenn sie dich vermissen.” Er freut sich, sich an diese Aussage aus dem Buch zu erinnern und ich merke, wie er wieder einmal glaubt, einen Schlüssel für ein Problem gefunden zu haben. Das ist unsere Art zu denken. Sie funktioniert hier nicht. Deswegen haben wir uns beide ja auch wieder Tinder geholt. 

Aber um all die Gründe geht es nicht und selbst mit Tinder resignieren wir mittlerweile. Ich war immer felsenfest davon überzeugt: Ich will eine Beziehung, eine Partnerin, mit der man sich ein Leben aufbaut — Kierkegaard’sche Kontinuität, nicht MZ’sches Hin- und Hergehopse. 

Meme - von me.me - Relationship vs. Partnership
Wie auf diesen Klischee-Memes halt, nicht?

Und Manuel und ich bleiben uns einig, am schönsten wäre es in einer glücklichen Beziehung zu sein, aber ist es nicht zumindest besser Single als in einer unglücklichen Beziehung zu sein. Vermutlich ist das so. 

Hmm.”, machen wir beide. Schweigen für eine Weile. 

Ein bisschen reden wir noch über dies und das, dann umarmen wir uns und unsere Wege trennen sich — bis zu einer nächsten gemeinsamen Mittagspause.


Ich gehe heim und mir schwirrt unser Gespräch im Kopf herum, gehe ein paar der Themen, die wir besprochen haben noch einmal durch und vermische sie mit ein paar eigenen Gedanken der letzten Wochen — ein gutes Gespräch. Am Museum Brandhorst mache ich Manuel noch einmal eine Sprachnachricht. Zuhause, in meinem Zimmer, noch eine. Ich denke, dass das wohl jetzt schon wieder zu anhänglich gewesen wäre, wenn das ein gutes Gespräch während eines Dates gewesen wäre, aber meine Freunde kennen das mittlerweile schon von mir… man muss die Eigenarten der Menschen halt erst ein wenig kennenlernen — die positiven und negativen Seiten dieser Eigenarten. Das braucht Zeit. Ich denke weiter nach, fange an diesen Beitrag zu schreiben. 


Fazit — Ein Soll?

Leider kann ich kein klares, allgemeingültiges Fazit geben, weil ich nicht weiß, ob Vor- oder Nachteile von Tinder überwiegen. 

Ich habe mittlerweile wirklich verstanden, dass es egal ist, wie man eine Person kennengelernt hat, weil man einfach froh sein sollte, wenn man jemanden findet, bei dem es passt. Das habe ich sowohl aus eigener Erfahrung als auch von Freunden gelernt, großteils verinnerlicht und das wird von der Studie von Rosenfeld, Thomas und Hausen bestätigt: 

Once couples are in a relationship, how they met does not determine relationship quality or longevity. 

Tinder und andere Datingplattformen… noch allgemeiner: “Online” ist also ein legitimer und mittlerweile völlig normaler, sogar der häufigste Weg, jemanden kennenzulernen. Und aus einem größeren Fundus zu schöpfen kann gerade für ein wenig weirde Menschen sicherlich hilfreich sein. 

Trotzdem habe ich in dem Beitrag noch einmal kurz angedeutet, wie einfach uns die große Auswahl bei Tinder auch daran hindert zunächst einmal irgendjemanden wirklich kennenzulernen, weil doch noch vermeintlich bessere Matches warten oder weil man einfach, wenn es nicht schnell genug oder zu schnell geht, zu einer anderen Alternative springt. Diese Versuchungen sprechen dann für mich, schwaches Menschlein, wieder eher gegen Tinder. 

Über Tinder kann man aber zweifelsohne auch tolle Menschen und Partner kennenlernen. So wie ich es habe kann man bei Tinder eben auch lernen, wie selten Menschen sind, die irgendwas mit den Dingen anfangen können, die einen selbst beschäftigen. Ich habe, auch wenn es das eine oder andere Match gab, nur eine kennengelernt, die ich sowohl optisch als auch was das Drinherin angeht wirklich interessant finde.

Also: Gründe hier und Gründe da. 

Vielleicht ist es dann nur meine kulturpessimistische Ader, die mir das Quäntchen mehr auf die detrimental effects Seite der Tinder-Waage legt, aber nach ein bisschen Nachdenken komme ich wie mit Instagram auch bei Tinder zum Schluss, dass ich besser dran bin, wenn ich nicht auf der Plattform bin; dass eine Welt, auf der weniger getindert wird, zwar wohl nicht die Zukunft sein wird, aber meines Erachtens nach die bessere wäre. 

Wenn der Spruch nicht so verdammt ausgelutscht wäre, könnte man fast sagen: Be the change you want to see in the world. Und dann verkünden, dass man Tinder von seinem Handy löscht. Aber so inflationär verwendete Dinge kann man eben nicht sagen.  

Deswegen muss man sich etwas anderes ausdenken, um den Beitrag abzuschließen. Zum Beispiel das: Machiavellistisch betrachtet ist es ein sau dummer Schachzug, kein Tinder zu haben. Ohne Tinder begibt man sich klar in eine schlechtere Position, mit weniger Alternativen, einem niedrigeren BATNA (Best Alternative To a Negotiated Agreement) und eben einer geringeren Menge an potenziell großartigen Optionen auf der Haben-Seite der Lebensbilanz. Trotzdem habe ich Tinder (mitsamt ‘Marco, 26’ — Account) jetzt gelöscht — nicht pausiert, weil ich eben denke, dass das eigentlich richtiger ist. Und… nun… weiter denke ich, dass machiavellistische Herangehensweise wohl kaum zu einer glücklichen Beziehung führen werden. 

Also: Kein Tinder für MZ. Dabei bleibt es jetzt erstmal… sagen wir… bis 30. Dann nochmal Tinder-Gedanken sammeln, aber bis dahin bleibt’s dabei. Selbst, wenn es noch so kacke läuft.* 


Marco

*Und im Zweifel: Auch auf Dauer lieber Single (auch ohne Tinder) als in einer unglücklichen Beziehung. … Ja? Hmm. Dieser Satz ist noch work-in-progress. Ich verstehe ihn schon, aber um ihn großteils verinnerlicht zu haben, fehlt wohl noch ein bisschen Verzweiflung, einige schlechte Erfahrungen mit unglücklichen Beziehungen, viel Gedanken sammeln zu der Notwendigkeit enger Beziehungen im Leben von zu Eigenheiten neigender Menschen und ein guter Schuss Desillusion. Aber ich weiß schon, dass was Wahres dran ist. ‘Bin doch keene 21 mehr’ (mit Spuki-Voice).

Quellenverzeichnis

Brandl, M., 2020. Gesammelte Werke — Hörbuch. Hmnmrc94-Hörverlag.* 

Rosenfeld, M. J., Thomas, R. J., & Hausen, S. 2019. Disintermediating your friends: How online dating in the United States displaces other ways of meeting. Proceedings of the National Academy of Sciences, 116(36), 17753–17758.

Julian, K. 2018. Why Are Young People Having So Little Sex? The Atlantic. https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2018/12/the-sex-recession/573949/. Abgerufen: 12.06.2020.

https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/fortsetzung-fuer-singlenotsorry-die-erste-europakampagne-von-tinder-kommt-aus-deutschland-175205

https://www.horizont.net/tech/nachrichten/Tinder-Produktchef-Brian-Norgard-Warum-die-Dating-App-keine-Plattform-fuer-die-schnelle-Nummer-ist-165489

Zu der Aussage bzgl. Werte an Handlungen anpassen und nicht andersrum habe ich im “Erfahrungsbericht: Meditieren_2” mehr geschrieben.

*Aufpassen: Witz. Meint Gespräche mit einem Freund