Foto von Roman Denisenko auf Unsplash

Es war in einem Klassenzimmer. 

Er verabschiedet sich, der ein paar Jahre ältere Austauschschüler. Die Lehrerin war ihm wohlgesonnen, seine Mitschüler würden noch lange von ihm sprechen. Irgendwie hatte er zu allen eine Distanz gewahrt und trotzdem hatten ihn alle geschätzt — als eine etwas abseitig stehende, gutmütig beobachtende Instanz… so etwas in der Art vielleicht. 

Nur ein kleiner, blonder mit breiten Schultern, ihr Freund, dessen Blicke verfolgten ihn bösartig auf seinem Weg zur Tür. Bei der Verabschiedung hatte er gespürt, wie es den Protz gedrängt hatte, ihm doch noch eine zu verpassen und er hatte gespannt gewartet, aber er war nur brodelnd auf seinem Platz sitzen geblieben während er von hinten zur Tür gegangen war. 

An der Tür angelangt, blickte er noch einmal zurück. Doch ihr Platz in der ersten Reihe war leer. Nur die türkise Lehne ihres Stuhles war zu sehen. 

Zumindest einen letzten verstohlenen Blick hatte er sich erhofft oder zumindest ein peinlich berührtes zu Boden Blicken. 

Jetzt war er in der Tür und schließt sie hinter sich; dreht sich um, tritt in den Gang im Untergeschoss und: Da steht sie. 

Sie umarmen sich. 

Dann nähern sich die Köpfe. Ein Kuss auf die Wange; sie bleiben beieinander. Dann rutscht sein Mund ein wenig weiter, in Richtung ihres Mundes, entlang der weichen Haut. ‘Das konnte sie doch nicht? Was war mit ihrem Freund?’ 

Ihre Haare auf seiner Wange. 

Und dann küssen sie sich. Erleichterung breitet sich in ihnen aus, wie eine goldene Welle schwappt sie über die beiden und hüllt sie ein. Es war noch immer wie beim ersten Mal. Nur ihre Haut war rein wie nie, die Haare länger und weicher als je zuvor; sie wirkte sogar ein wenig größer, war heute schöner als damals. Ein wenig hatte sie von ihrer kühlen Aura eingebüßt, aber dafür leuchtete sie nun. Ja, das war das Mädchen, das er damals an der Bushaltestelle getroffen hatte. Jetzt sah er sie. 

Tange me, ut te videam